Ableismus

Kurztipps

Begriffsklärung

Ableismus beschreibt die Diskriminierung von Menschen mit Behinderung, indem Menschen an bestimmten, normierten Fähigkeiten gemessen werden, die angeblich alle haben sollen (wie z.B. laufen, sehen, sozial interagieren). Gemessen an diesen Fähigkeiten werden Menschen mit Behinderungen auf ihre Beeinträchtigung reduziert und somit diskriminiert.

Diversity Arts Culture im Glossar zu „Ableismus“

Wichtig ist es Menschen mit Behinderungen als Menschen zu bezeichnen und nicht über Menschen als „Behinderte“ zu reden. Der Ausdruck „Behinderte“ reduziert diese Menschen sonst auf ein einziges Merkmal ihrer Person und stellt dies als defizitär in den Vordergrund.

Und was gilt als eine Behinderung? Dazu kannst du mehr im Einleitungstext lesen.

Die Disability Studies sind eine Forschungsrichtung, die Behinderung aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet. Anders als die traditionellen, medizinisch und stark am Individuum orientierten „Behinderungswissenschaften“ (wie beispielsweise Sonderpädagogik) ist bei den Disability Studies die Perspektive eines sozialen oder kulturellen Modells von Behinderung wichtig. Behinderung ist das, was Gesellschaft, Kultur und Sprache daraus machen: Behinderung gibt es nicht einfach, sondern Menschen werden von einer Norm aus als behindert und nicht-behindert bewertet. Seit 2002 etablieren sich die Disability Studies auch im deutschsprachigen Raum. 

Leidmedien zu Disability Studies

Compulsory Able-Bodiedness ist ein theoretischer Fachausdruck aus den Disability Studies, der den gesellschaftlichen Zwang zur Nicht-Behinderung beschreibt. Die ableistische Gesellschaft, in der wir leben, stellt permanent den Zwang her einen „funktionierenden Körper“ haben zu müssen. Das hängt auch mit unserem kapitalistischen System zusammen, das Menschen bestmöglich verwertbar machen möchte und diese aufgrund ihrer Leistungsfähigkeit vergleicht und misst.

Medien und Teilhabe

Fotografin mit Behinderung richtet ein Bild im Fotostudio ein. SIe steht hinter der Kamera und dem Stativ. Ihre Assistintin schaut ihr zu. Photo by Andi Weiland on gesellschaftsbilder.de


Hier geht es um die mediale Darstellung.


Wie und von wem werden Menschen mit Behinderung in den Medien dargestellt? Artikel 8 der UN- Behindertenrechtskonvention sagt aus, dass das Bewusstsein für die Fähigkeiten von Menschen mit Behinderungen, ihr gesellschaftlicher Beitrag und ihre Würde gestärkt werden sollen. Unkenntnisse, Fehlvorstellungen, Vorurteile und Klischees sollen abgebaut werden. Wichtiger Aspekt der Teilhabe in Medien ist die Selbstrepräsentation von Menschen mit Behinderung. Die Vielfalt an Geschichten von Menschen mit Behinderungen und ihren individuellen Lebensentwürfen sichtbar zu machen ist wichtig. Selbstbestimmte mediale Repräsentation ist zunehmend z.B. auf Blogs und in sozialen Netzwerken zu sehen.

Zwei weiße Hände tippen auf die Tastaturen von einem Laptop. Aufgerufen ist eine Internetseite der taz mit einem Foto von Angela Merkel. Die Hände berühren sowohl, die Tastatur des Laptops, als auch eine zusätzlich angeschlossene Tastur für Menschen mit Sehbeeinträchtigung Photo by Michel Arriens on gesellschaftsbilder.de


Hier geht es um mediale Zugänglichkeit.


Für eine demokratische Meinungsbildung ist ein gleichberechtigter Zugang zu Informationen und Kommunikation Voraussetzung. Medien müssen daher für alle gleichberechtigt zugänglich sein. Medien sollten Partizipation ermöglichen. Von der Kommunikation durch Medien sollte niemand ausgeschlossen sein. Eine barrierearme Mediengestaltung (wie z.B. Untertitelung und Audiodeskription) ist dafür unbedingt notwendig. 

Mehr zu barrierearmer Mediengestaltung findest du hier.

Eine Aufnahme des Publikums während einer Veranstaltung. Die Zuhörer:innen sitzen, einige tragen Kopfhörer. Ein grünes Licht fällt auf die die ca. 150 Zuschauenden.

Photo by Holger Dieterich | Gesellschaftsbilder.de

 

 

Hier geht es um inklusive Medienbildung.

 

Eine Förderung von Medienkompetenz schafft die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Medienbildung, also z.B. das Wissen darüber, wie ich Medien produzieren kann, muss inklusiv gestaltet sein. Menschen mit Behinderungen sollte durch barrierearme Veranstaltungsformate vor allem Bildungszugänge zur Medienpädagogik ermöglicht werden. Denn über Medienkompetenzen zu verfügen, ermöglicht z.B. sich selbstbestimmt Wissen anzueignen und jeweils auf Medienformate zurückzugreifen, die für die eigene Person barrierefrei wahrnehmbar sind. Und: Nur mit Medienkompetenzen ist auch eine Teilhabe in Medien selbstbestimmt möglich. Durch inklusive Medienarbeit werden zudem gemeinsame Erfahrungs-, Handlungs- und Kommunikationsräume geschaffen, von denen alle Teilnehmenden profitieren können. 

Achte beim Sprechen,
Schreiben und Darstellen
über, von und mit Menschen
mit Behinderungen auf Folgendes:

In Berichten und Beiträgen über Behinderung und Inklusion, sollte primär nicht über, sondern mit und durch Menschen mit einer Beeinträchtigung gesprochen werden. Gleichzeitig können Menschen mit Behinderung auch Expert:innen in Bezug auf völlig andere Themenfelder sein.

Der Mensch steht (nicht nur sprachlich) im Vordergrund und nicht die Behinderung.

Nutze keine Begriffe, die das Leben von Menschen mit Behinderung bewerten oder beurteilen.​​ Nutze keine inhaltlich falschen Begriffe, sondern verwende sensible und bewusste Bezeichnungen.​​

Es sollte darauf geachtet werden, Menschen mit Behinderung nicht als eine homogene, geschlechtsneutrale Gruppe darzustellen. Die Perspektive von Frauen, die mit einer Beeinträchtigung leben, ist vermutlich eine andere als die von Männern.

Menschen, die mit einer Behinderung leben, leiden nicht zwangsläufig unter dieser. Ob bzw. in welcher Situation eine Person ihre Beeinträchtigung als Belastung empfindet, weiß sie selbst am Besten. Entsprechend sollte darauf geachtet werden, keine voreingenommenen Opfer- bzw. Held:innengeschichten zu schreiben. Es ist zu empfehlen eine Beeinträchtigung entsprechend der Wahrnehmung der betroffenen Person zu thematisieren.

Ebenso kannst du zeigen, dass verschieden zu sein etwas völlig Normales ist. Du könntest z.B. eine Rolle mit einer Person besetzen, die mit einer Beeinträchtigung lebt ohne, dass die Behinderung zentraler Aspekt der Figur ist.

Barrierearme Mediengestaltung

Damit die aufgerufene Website von einem Screenreader vorgelesen werden kann, muss der HTML-Code logisch aufgebaut sein. Du solltest Überschriften, Listen und Absätzen mit den entsprechenden Tags versehen. Bilder und Grafiken sollten Alternativtexte (Bildbeschreibungen) enthalten.

Die Schriftart sollte gut leserlich sein. Humanistisch serifenlose Schriften werden für Lesende mit Sehbehinderung empfohlen. Es eignen sich z.B. Calibri, Lucida Sans, Verdana, Noto Sans Regular, Open Sans Regular, Frutiger 55 Roman, Neue Frutiger 1450, TheSans Regular. 

Schrift und Abstände sollten ausreichend groß und die Schriftfarbe ausreichend kontrastreich sein. Da es bei der Schriftgröße Parameter wie die Textart, den Betrachtungsabstand und die individuelle Sehschärfe zu beachten gibt (Visus), ist es schwierig einen Wert zu nennen. Hier findest du einen Schriftgrößenrechner für deine konkrete Anwendung. Texte lassen sich am Besten in gemischter Groß-und Kleinschreibung lesen, VERSALSCHREIBUNG ist zu vermeiden. Hervorhebungen sparsam einsetzten, durch (halb-)fette und kursive Schriften. Zeilenabstand sollte mindestens 120% der Schriftgröße sein. Zeilenlänge sollte zwischen 35 und 80 Zeichen liegen, je nach Textart (inkl. Leerzeichen). Linksbündiger Flattersatz ist zu empfehlen. Wörter sollten sinnvoll getrennt werden. Deutliche Abstände zum Rand und zwischen Text und Bild einhalten (min. 6mm).

Die Inhalte einer Webseite sollte mithilfe einer Zoomfunktion in der Größe veränderbar sein.

Zwischen Text und Hintergrund sollte es einen deutlichen Kontrast geben. Hier findest du einen Kontrastrechner. Bei schwarzer Schrift auf weißem Hintergrund (oder umgekehrt) ist der Kontrast optimal. Text sollte nicht über Bilder oder Farbverläufe gesetzt werden. Grundsätzlich gilt: Farben sollten sparsam eingesetzt werden und sich klar voneinander abgrenzen. Zusätzlich zur Farbe sollte immer ein weiteres Unterscheidungsmerkmal verwendet werden. Rot-Grün-Kombinationen und Komplementär-Kontraste sind zu vermeiden.

Es sollte auf eine direkte Sprache geachtet und auf Fremdworte verzichtet werden. Alternativ kann die Funktion angeboten werden, die Webseite in Leichter Sprache darzustellen oder ein Glossar erstellt werden. Kurze Sätze sind einfacher zu lesen als lange Sätze. 

Die Bilder/ Icons/ Grafiken sollten ruhige Hintergründe, gut erkennbare Motive und deutliche Kontraste haben. Bei Icons sollten die Fläche und nicht die Umrisse hervorgehoben werden.  

Alles Gesagte, aber auch alle wichtigen Handlungen/Töne in einem Video sollten Inhalt der Untertitelung von Videos sein. Zusätzlich kann ein Transkript zur Verfügung gestellt werden, sodass sich Personen Zeit für die Erfassung der Inhalte nehmen können.

Der gesprochene Inhalt kann durch eine verbale Beschreibung relevanter sichtbarer Inhalte eines Videos ergänzt werden.

Glänzende Oberflächen sind zu vermeiden. Papiere mit ausreichender Lichtundurchlässigkeit (Opazität) sollten verwendet werden. Nicht hoch-weißes, aber gebrochen weißes Papier mit wenig Grauanteil eignet sich gut.

Downloads

Diskriminierungs-
arme Formulierungen in Bezug auf Ableismus

In dieser Checkliste findest du Verbesserungsvorschläge zu gängigen, aber problematischen Ausdrücken. Klicke auf das Downloadsymbol.
Auch die Leidmedien haben Formulierungshilfen bereitgestellt. Diese findest du hier.

Teste
einen Film!

Der Tyrion Test oder auch DisRep-Test erfasst, wie und auf welche Art und Weise Menschen mit Behinderung in Film und Fernsehen dargestellt werden.