Antisemitismus

Bild und Ton

Antisemitismus und Medien

Kontroverse mediale Diskussionen über den antisemitischen Gehalt von Artikeln, Karikaturen oder Rap-Texten zeigen, dass antisemitische Denkmuster bisweilen schwierig zu erkennen sind. Auf dieser Seite geben wir Hilfestellungen die spezifische Funktionsweise von Antisemitismus in der Bildsprache zu verstehen und geben Beispiele für ermächtigende Darstellungen jüdischer Menschen in den Medien.

Immer wieder:
Antisemitische Karrikaturen

Der Name Mark Zuckerberg ist vielen ein Begriff. Er ist der Gründer von Facebook. Als das Unternehmen im Jahr 2014 den Sofortnachrichtendienst WhatsApp übernahm, erschien in der Süddeutschen Zeitung eine umstrittene Karikatur. Sie zeigt Zuckerberg in Gestalt einer Krake mit Hakennase, die mit ihren Tentakeln zig Laptops bedient und sich das Logo von WhatsApp einverleiben will (Eine Abbildung der Karikatur findest du bei Spiegel Online). Jüdische Organisationen beschwerten sich daraufhin bei der Süddeutschen Zeitung, dass die Karikatur antisemitisch sei. Kannst du sagen, warum? 

Im Folgenden stellen wir eine mögliche Analyse der antisemitischen Karrikatur von Josef Plank vor. Jene Karikatur stammt aus der Zeit des Nationalsozialismus. Sie ähnelt stark der Zuckerberg-Karikatur. Es ist wichtig zu wissen, wann wir als Medienschaffende Gefahr laufen unbewusst Stereotype zu bedienen. Daher zeigen wir anhand dieses Beispiels nun genau, warum diese und ähnliche Karikaturen antisemitisch sind.

Karrikatur von Josef Plank (1938).

Urherber:innenrecht liegt bei United States Holocaust Memorial Museum courtesy of Library of Congress.

Ein Erdball wird durch eine Krake fest umklammert .
Die Tentakel bohren sich derart in die Weltkugel, dass diese
verletzt zu bluten scheint. Das Gesicht der Krake erscheint abstoßend,
mürrisch und unfreundlich. Über oder hinter der Krake schwebt ein Davidstern. (Mehr zu der Karrikatur)

Die Krake ist ein verbreitetes Bild für eine bedrohliche Macht. Diese umklammert die ganze Welt, was ihren globalen Einfluss zeigen soll. Der feste Griff von der Tentakel sowie das Blut der Erde stehen für den allumfassenden, gewaltsamen und zerstörerischen Charakter von der Herrschaft der Krake. Das Bild soll Herrschaft ausdrücken. Der Davidstern symbolisiert das Judentum. Dadurch wird die Krake als jüdische Macht gekennzeichnet.

Die Krake ist eine bildliche Darstellung von der Verschwörungstheorie der jüdischen Weltherrschaft. Außerdem bedient sie ein antisemitisches Steoreotyp von jüdischen Menschen als hinterhältig, böse, mächtig und einflussreich.

Es ist wichitg zu wissen, dass dies eine Karikatur aus der NS-Progaganda ist. Die Karikatur wurde von Josef Plank 1938 gezeichnet. Dieser arbeitete u.a. für die nationalsozialistische Wochenzeitung „Der Stürmer“.

Sie zeigt den damaligen britischen Premierminister Winston Churchill als Oktopus.

2013: 

Die Süddeutsche Zeitung druckt ein Bild eines bösartigen Monsters mit Raffzähnen und Hörnern, Messer und Gabel in der Hand. Im Text heißt es dazu: «Deutschland serviert. Seit Jahrzehnten wird Israel, teils umsonst, mit Waffen versorgt. Israels Feinde halten das Land für einen gefräßigen Moloch.» Hier wird Israel ganz offen und deutlich dämonisiert und somit antisemitische Bild und Textsprache bedient. (Mehr dazu)

2014: 

Die Süddeutsche Zeitung bringt eine Karikatur von Burkhard Mohr heraus, die den Gründer von Facebook, Mark Zuckerberg als Krake abbildet, die die ganze Welt regiert, beeinflusst und unter ihrer Macht hat. Auch wenn Mark Zuckerberg nicht jüdisch wäre, ist die Verwendung von dem Kraken-Bild, was die Welt beherrscht, immer mit Antisemitismus und dem NS verbunden. (Mehr dazu)

2018: 

Die Süddeutsche Zeitung druckt eine Karikatur, die den Premierminister Benjamin Netanjahu als die Euro-Vision-Song-Contest-Gewinnerin Netta darstellt. Die Darstellung folgt antisemitischen Stereotypen. Netanjahu wird als extrem aggressiv und gleichzeitig als verweiblichter Mann dargestellt: Dies sei „ein zentrales antisemitisches Motiv, indem Juden zugleich extreme Macht und Machtlosigkeit unterstellt wird“ (Vgl. Der Tagesspiegel 2018).

Wann sind Bilder antisemitisch?

Mediale Repräsentation von
Jüdischen Menschen
in Film und Fernsehen

„Lange jedoch gaben jüdische Filmfiguren eher Einblick in das Bild der Deutschen von sich selbst und in ihre Sehnsüchte als in das tatsächliche Leben von Jüdinnen und Juden.“

Lea Wohl von Haselberg, Medienwissenschaftlerin mit Fokus deutsch-jüdische Themen und Erinnerungskultur

Viele von uns kennen jüdische Menschen im Film und Fernsehen nur aus den gewaltvollen und antisemitischen NS-Propaganda Filmen, Fotos und Werbematerialien. Daher ist es wichtig dem ein Gegengewicht zu setzten. Wissen über jüdische Kultur, Kunst und Leben wurde in der NS-Zeit nicht nur bekämpft und ausgelöscht, es bildet auch noch heute eine Leerstelle. In deutschen Schulen lernen Kinder nur die Geschichte von jüdischen Menschen als Opfer. Deshalb ist es wichtig jüdische Stimmen, Errungenschaften, ihre vielfältigen Lebensformen und -entwürfe auch in den Medien zu kennen und zu repräsentieren.

Dazu trägt auch ein Forschungsprojekt der Medienwissenschaftlerin Lea Wohl von Haselberg bei. Die Forschenden untersuchen unter dem Titel „Zwischen Erinnerungskultur und Antisemitismus: Selbstbeschreibung und Erfahrung jüdischer Filmschaffender“ die Arbeitsbiografien jüdische Filmschaffende, die in der BRD gearbeitet haben.

„Es ist immer wieder spannend zu sehen, wie viele Aspekte von Geschichte, in diesem Fall Filmgeschichte, noch nicht geschrieben sind. Jüdische Filmgeschichte ist zu Unrecht stark auf die Shoah verengt.“

Lea Wohl von Haselberg, Medienwissenschaftlerin mit Fokus deutsch-jüdische Themen und Erinnerungskultur

Kurzportrait: Getrude Berg

Die jüdische Wegbereiterin für Frauen im Fernsehen

Gertrude Berg wurde in New York 1899 geboren. Ihre Eltern waren jüdische Migrant:innen aus Europa. Sie war eine der ersten Frauen, die in einer langjährigen Radio und TV-Serie mitwirkte. Diese erzähle die Geschichte von jüdischer Migrant:innen in den USA. Eine Show über das Leben einer armen jüdischen Familie, die in der Bronx, New York lebt. 1929 wurde die erste Episode von „The Rise of the Goldbergs“ auf NBC Radio ausgestrahlt. Darin spielte Berg die Rolle der liebenden jüdischen Mutter Molly Goldberg mit einem jiddischen Akzent. Die Serie „The Goldbergs“ war im Radio und im Fernsehen über drei Jahrzehnte hinweg zu sehen. Die Serie beschäftigte sich mit Themen wie Familie und Assimilation, sowie der Machtübernahme von Hitler und der Verfolgung während des 2. Weltkrieges. Goldberg ebnete den Weg für Frauen im Fernsehen und beeinflusste das Genre „Sitcoms“.

 

Literaturtipp

Das Buch „Ein eigenes Reich – Wie jüdische Emigranten Hollywood erfanden“ erschien 1988 in den USA und gibt einen Einblick in jüdische Filmgeschichte

Hörtipp

Falls du Lust hast mehr über die Darstellung von Juden und Jüdinnen im Fernsehen nach 1945 in den USA zu erfahren, höre dir diesen Beitrag an.

Empowerment

Ben Salomo über
Jüdische Identität und Antisemitismus

Ben Salomo ist – nicht nur in der deutschen Rap-Szene – ein Vorbild für jüdische Repräsentation in der medialen Öffentlichkeit. Salomo ist ein in Israel geborener Rapper. Mit seinen Texten thematisiert er seine jüdische Identität und nutzt damit Rap und die mediale Öffentlichkeit für Empowerment und Widerstand gegen Antisemitismus für sich und andere. Er zeigt besonders in der Hip-Hop-Szene, wie Rap auch ohne Sexismus, Homofeindlichkeit und Gewalt auskommt. Schaue dir das Interview vom Jüdischen Forum mit Ben Salomo an, um mehr über seine Kämpfe, Strategien und Erfahrungen zu lernen.

Mehr dazu: Ben Salomo und weitere Stimmen im Machiavelli-Podcast „Jüdisches Leben: Battles & Bar Mizwa“

 

Empowerment durch Satire
und Selbstermächtigung

Im Rahmen der Radikalen Jüdischen Kulturtage im Studio Я des Gorki Theaters in Berlin wurden vier kurze satirische Nachrichtenepisoden produziert. Die Episoden bedienen sich Vorurteilen, Zuschreibungen und Stereotypen über Juden und Jüdinnen und parodieren diese durch Übertreibung und klischeehafte Darstellungen. Ziel hierbei ist es die Selbstermächtigung der Einzelnen zu stärken.

 

Geschichte, Erinnerung und
Verantwortung im Film

Photo by John Moeses Bauan on Unsplash

Die mediale Repräsentation der Shoa/ des Holocaust – insbesondere im Film – beeinflusst, manifestiert und spiegelt, wie wir uns erinnern. Dabei stellt sich immer die Frage: Wie können wir mit diesen menschenverachtenden, schmerzhaften und beispiellosen Geschichten medial umgehen? Anhand dreier Filme/Serien (Holocaust, Shoah und Hunters) stellen wir unterschiedliche Strategien des filmischen Umgangs mit Antisemitismus, der NS-Zeit, Erinnerung und Schmerz vor. Der Umgang mit Orten, Zeug:innen und Originalmaterial ist hier besonders relevant. Als Medienschaffende ist es wichtig, eine Haltung zu diesen Themen zu entwickeln.

"Holocaust"
1978

Die TV-Mini Serie „Holocaust – Die Geschichte der Familie Weiss“ ist 1978 in den USA entstanden. Regie führte der US-amerikanischen Filmregisseur Marvin J. Chomsky. Die Serie ist in vier Teile gegliedert und erzählt die Geschichte einer fiktiven Arztfamilie. Damit wurde zum ersten Mal die Verfolgung und Vernichtung der europäischen Juden und Jüdinnen im nationalsozialistischen Deutschland im Fernsehen thematisiert. Die Familie Weiss wird für die Ehe des jüdischen Karl Weiss und der nicht-jüdischen Inga Helms verfolgt und durch die Nürnberger „Rassengesetze“ verurteilt. Im Verlauf der Serie wird das Fortschreiten der brutalen deutschen NS-Geschichte und der damit zusammenhängenden grausamen Verfolgung dargestellt. Wir sehen Bilder von der Progromnacht am 9. November 1938, dem Konzentrationslager Buchenwald, von Deportationen nach Polen, den Euthanasie-Programmen und andere Aufnahmen, die noch nie so im Fernsehen gezeigt wurden. (Link zur Serie) 

Echte Geschichte(n) nachstellen, um das Unvorstellbare vorstellbar zu machen. Die Serie Holocaust wurde in Deutschland und Österreich gedreht. Das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau wurde im Konzentrationslager Mauthause in Österreich nachgestellt. Die Tötungsanstalt Hademar in Mittelhessen entstand jedoch am Originalschauplatz. Der Berliner Stadtteil Wedding wurde für das Warschauer Ghetto verwendet. Außerdem werden in der Serie erstmals Original-Dokumentaraufnahmen aus der Nazi-Zeit verwendet. Um die fiktive Geschichte der Familie Weiss zu konstruieren, zog das Produktionsteam in den USA jüdische Exilant:innen zu Rate.

 

Kritik von Elie Wiesel – ein jüdischer Holocaust-Überlebender und Nobel-Preisträger in der New York Times:

Der Film versucht, das darzustellen, was sich selbst der Vorstellungskraft entzieht. Er verwandelt ein ontologisches Ereignis in eine Seifen-Oper. […]  Aber der Holocaust ist einzigartig, nicht nur irgendein Ereignis. Diese Serie behandelt den Holocaust, als wäre er nur irgendein Ereignis. So bin ich gegen diesen Film, nicht, weil er künstlerisch nicht in Ordnung ist, sondern weil er nicht authentisch genug ist. Er entfernt uns von dem Ereignis, anstatt uns ihm näherzubringen[…] Auschwitz kann nicht erklärt, noch kann es sichtbar gemacht werden. Ob Gipfelpunkt oder Zerrbild der Geschichte, der Holocaust transzendiert Geschichte.  […] Der Holocaust muß uns in Erinnerung bleiben. Aber nicht als eine Show“.

 

(Wiesel, Elie: Die Trivialisierung des Holocaust: Halb Faktum und halb Fiktion. In: Peter Märthesheimer/ Ivo Frenzel (Hg.): Im Kreuzfeuer: Der Fernsehfilm ‚Holocaust‘. Eine Nation ist betroffen. Frankfurt a.M. 1979.)

 

Hier findest du weitere Kritiken:

Marek, Michael (2009): Die US-Serie „Holocaust“, Deutsche Welle, 28.05.2009

Fetscher, Caroline (2019): Fernsehklassiker „Holocaust“ Späte Katharsis, Der Tagesspiegel, 06.01.2019, 10:14 Uhr

Krauss, Martin (2019): Ich war die Zielgruppe. Warum dieses Land die Serie »Holocaust« brauchte. Eine persönliche Rückschau, Jüdische Allgemeine, 24.01.2019 13:39 Uhr

 

Die Serie „Holocaust – Die Geschichte der Familie Weiss“ hatte in Westdeutschland und Österreich Einschaltquoten von knapp 40 Prozent. Zehntausende Zuschauende riefen nächtlich bei den Fernsehsendern an. Die Sender erhielten bergeweise Zuschauer:innenpost, die später auch die Wissenschaft beschäftigten.

In deutschen Familien wurden auf einmal unbequeme Fragen gestellt: Was hat unser Großvater in der Nazizeit gemacht? Was habt ihr von der Ermordung der Juden gewusst? Warum habt ihr den jüdischen Nachbar:innen nicht geholfen?

„Die Holocaust-Sendungen haben es geschafft, dass ein ganzes Volk sich plötzlich und höchst schmerzhaft seiner eigenen Geschichte erinnerte.“

Mehr dazu

 

"Shoah"
1985

Claude Lanzmann, französischer jüdischer Filmemacher, Journalist, Widerstandskämpfer und Philosoph, kreierte 1985 den Film Shoah. Der Film Shoah wurde großenteils in Polen gedreht. Wir sehen in den neun Stunden Filmmaterial viele Interviews und Aufnahmen von den Vernichtungslagern, in die jüdischen Menschen deportiert wurden: Treblinka, Sobibor, Auschwitz, Chelmno und Warschau. Es ist ein Film über Erinnerung, den Umgang mit der Vergangenheit und ein schonungsloser Blick in die Systematik und die Funktionäre der Konzentrations- und Vernichtungslager. 

Hier ein Artikel, der zusammenfasst, was Claude Lanzmann mit dem Film bewirken wollte.

 

Zeitzeug:innen vom Grauen berichten lassen statt es nachzustellen.

Lanzmann arbeitet insbesondere mit Interviews von Opfern und Täter:innen. Er verzichtete darauf die Verbrechen mit Originalbildmaterial zu belegen. Ihm war klar: „dieser Horror ist weder darstellbar noch zu begreifen“, heißt es in einem Video, das anlässlich seines Todes (2018) erschien. Anders als in anderen historischen Filmen über die NS-Zeit, sehen wir keine Leichenberge oder abgemagerte Körper: „Wir sehen leere Gesichter und das Nichts“. Die Interviews mit den Überlebenden und den Täter:innen funktionieren somit als Erinnerung an das Geschehen. 

Lanzmanns Herangehensweise ist außergewöhnlich und wird als „Revolutionierung der Filmkunst“ betitelt. Mehr dazu in diesem Video.

 

„Claude Lanzmanns Shoah ist nicht nur der anspruchsvollste Film, der jemals über die Judenvernichtung gedreht wurde, sondern auch ein Werk, das von dem alttestamentarischen Gebot, sich keine Abbilder zu schaffen, inspiriert gewesen sein könnte, so gewissenhaft geht der Film mit dem Problem der Darstellung um. (…) Dieser Film wirft jeden auf sein eigenes Vermögen zurück. Er zwingt den Zuschauer, sich das Unvorstellbare vorzustellen. Shoah lässt den Zuschauer erstarren, er überwältigt ihn, und schließlich – mit unendlicher Zartheit und Behutsamkeit, hinterlässt er bei ihm eine Verletzung, eine Narbe. Es gibt Augenblicke in diesem Film, in denen man es nicht mehr ertragen kann, einen anderen Menschen zu sehen; diese Momente muss man allein erleben. Shoah lehrt uns die Bedeutung des Wortes ‚untröstlich‘„.

 

Jim Hoberman: „`Shoah´: Zeugnis der Vernichtung“. In: The Village Voice, New York, 29.10.1985. Zitiert nach: Informationsblatt zu `Shoah´, herausgegeben von dem internationalen Forum des jungen Films / Freunde der deutschen Kinemathek. S. 10/11.

 

Hier findest du weitere Kritiken:

 

Schultz M. Sonja (2007): Shoah – Kritik, critic.de, 04.12.2007, 

Lanzmann, Claude (2015): Das Unnennbare benennen Claude Lanzmann über „Shoah“, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.01.2015-16:40,  

Gelbin, Cathy/ Ufer, Gesa (2018): Shoah-Filmtage in Berlin, Wie das Undarstellbare darstellen? Deutschlandfunk Kultur (Podcast), 20.09.2018, 

 

"Hunters"
2020

Die Serie Hunters (Jäger) kam 2020 in den USA heraus. Sie spielt im New York der 1970er Jahre und porträtiert eine Gruppe von sogenannten Nazijäger:innen. Die zehnteilige fiktive Serie soll eine Art der jüdischen Rache darstellen, obwohl nur zwei Personen des Hunters-Teams jüdisch sind. Die Idee zu der Serie kam von dem Enkel einer Holocaust-Überleben und Produzenten David Weil.

 

Das Unvorstellbare durch fiktive Geschichten vorstellbar machen.

Im Gegensatz zu dem Film Shoah und der Mini-Serie Holocaust benutzt die Serie Hunters nachgestellte Bilder des Vernichtungslager Ausschwitz und nutzt hier fiktive Erzählungen. In vielen Rückblendensequenzen kommen Szenen aus der NS-Geschichte vor, die halb fiktiv, halb wahr sind. Die Serie arbeitet viel mit Comic und popkulturellen Action-Referenzen und wird oft mit dem Film Inglorious Bastrads von Quentin Tarantino verglichen.

„Die Debatte darüber, ob der Holocaust und seine Folgen darstellbar sind, ist alt und wird aus gutem Grund immer wieder neu geführt, weil ihre Fragen abschließend ja nie beantwortbar sind. Hunters will gleichzeitig mit Zwinkerzwinker-Gestus lustige Action-Anekdoten aneinanderreihen und eine relevante Geschichte über Opfer erzählen, die ihre Traumata überwinden, indem sie selbst zu Tätern werden. Aber wer Trash-Ästhetik und den Holocaust zusammen­führen will, muss schon sehr gute Argumente dafür vorbringen können. Die Macher von Hunters vermitteln nicht den Eindruck, sich darüber große Gedanken gemacht zu ­haben. Dieser lapidare Umgang der Serie mit einem der größten Verbrechen der Menschheitsgeschichte ist fahrlässig“. 

 

Kaever, Oliver (2020): Wie Pulp Fiction im KZ, Der Spiegel, 21.02.2020, 20.31 Uhr

 

Hier findest du weitere Kritiken: 

 

 

Schmieder, Jürgen (2020): Amazon-Serie „Hunters“: Die beste Form der Rache? Rache!, Süddeutsche Zeitung Online, 27. Februar 2020, 10:44 Uhr 

Jungen, Oliver (2020): Amazon-Serie „Hunters“: Ist Rache die beste Rache?, Frankfurter Allgemeine, 22.02.2020

Jüdische Allgemeine (2020): Auschwitz Komitee kritisiert »Hunters«. Für Schoa-Überlebende sei US-Serie verstörendes Beispiel für die »Fiktionalisierung von Auschwitz«, 14.03.2020, 19:19 Uhr

 

Mit Erinnerung umgehen

An den Film- und Serienbeispielen wird deutlich, dass es in filmischen Narrativen verschiedene Strategien gibt mit Erinnerung umzugehen, die je unterschiedliche Reaktionen und Erinnerungen hervorrufenSowohl während dem Filmen als auch im Resultat. Wie gehst du mit deiner Verantwortung als Medienschaffende:r in Bezug auf Erinnerung um? Es wichtig hierzu eine Haltung zu entwickeln. Folgende Fragen können hilfreich sein, um dich für den Schmerz, die Traumata und deine Verantwortung in Bezug auf Erinnerung zu sensibilisieren:

Schaue dir dieses 3-minütige Video „Die Nacht, die Namen“ an. Es zeigt eine Spoken-Words-Performance von Tanasgol Sabbagh, begleitet von Drummer:in Linda-Philomène Tsoungui. In der Performance wird ein emotionaler Raum geschaffen und aus Betroffenenperspektive an die neun Opfer des rassistischen, rechtsterroristischen Anschlags in Hanau 2020 erinnert.

Übung:

Transferaufgabe

Stelle dir vor du hast den Auftrag eine filmische Reportage über sexualisierte Gewalt zu machen. Beantworte die oben genannten Fragen in Bezug auf deinen Auftrag. Wie würdest du bei diesem Thema entscheiden? Was wäre grenzüberschreitend?

Wie kann ich Antisemitismus in meiner Medienarbeit vermeiden?

 

„Stelle Juden und Jüdinnen nicht als fremde, einheitliche und bösartige Gruppe dar, die heimlich danach strebe die Herrschaft über andere Menschen zu erlangen.“

Wichtig, um Antisemitismus vermeiden zu können ist ihn zu erkennen. 

In diesem Download findest du mehr Tipps, die dir beim Erkennen und damit auch beim Vermeiden von antisemitischen Denkweisen, Bildern und Texten helfen können. 

Wie kann ich antisemitismussensible Medienarbeit
machen?

Du bist Medienschaffende und möchtest aktiv antisemitismussensible Medien schaffen?!

„Wenn möglich, versuche jüdische Perspektiven einzubringen und mit Expert:innen zusammen zu arbeiten, wenn du deine Medien entwickelst“

In diesem Download findest du mehr Tipps, die dich bei deiner Herangehensweise an eine antisemitismussensible Medienarbeit unterstützen können.

Weiter zu den Kurztipps: 

Hier gibt es alle Tipps in komprimierter Form.