Antisemitismus

Sprache

Wann ist eine Aussage antisemitisch?

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Hier geht es zu dem Projekt »Nichts gegen Juden«  von der Amadeu Antonio Stiftung. Hier werden gängige antisemitische Vorurteile entlarvt und aufgeklärt. An 10 gängigen gängigen antisemitischen Stereotypen werden Argumentationshilfen gegeben, um Antisemitismus zu widersprechen.

 

Ob bewusst oder unbewusst gesagt: Antisemitische Äußerungen verbreiten Stereotype, welche die Basis einer antisemitischen Einstellung darstellen. Es ist also gerade für Medienschaffende wichtig, sich des antisemitischen Gehalts bestimmter Formulierungen bewusst zu sein, um deren Benutzung zu vermeiden und so vorhandene Vorurteilssysteme nicht zu stärken. Entsprechend der unterschiedlichen Ausdrucksformen von Antisemitismus kann auch verbaler Antisemitismus verschiedene Formen annehmen.

Aussagen gelten als antisemitisch, wenn:

Es gibt nicht
"die Juden und Jüdinnen"

Viele wissen nichts über die Vielfältigkeit jüdisches Lebens. Im Judentum gibt es unterschiedliche Auslegungen und Ursprünge. Für die mediale Berichterstattung empfehlen die Neuen deutschen Medienmacher:innen folgende Begriffe:

 

Aschkenasim/Ashkenazim/Aschkenasen bezeichnet Jüdischen Menschen aus Nord-, Mittel und Osteuropa, wie z.B. Deutschland. Sie bilden heute die größte Gruppe im Judentum.

Sephardim (auch: Sefardim) ist die Bezeichnung für Jüdische Menschen aus Spanien und Portugal. Sie wurden 1492/95 von der iberischen Halbinsel vertrieben.

Misrachim (von hebräisch «Misrach» = Osten) ist eine Bezeichnung jüdischer Menschen aus der arabischen Welt, anderen muslimischen Ländern, Indien, Kaukasus und Georgien.

 

 

Antisemitismus und Rap

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Hip-Hop und Rap haben eine sehr große mediale Reichweite und Einfluss auf Jugendliche und junge Erwachsene. Entstanden in den USA, ging es bei Rap und Hip-Hop auch immer um Empowerment und antirassistischen Widerstand. Gerade für Schwarze Menschen sind sie Mittel und Ausdruck gegen Unterdrückung, Repressionen, Rassismus und Armut. Gleichzeitig kommt es im Hip-Hop und Rap auch immer wieder zu diskriminierender Sprache, Bildern und Inhalten. So enthalten manche Texte auch antisemitische Ressentiments und Welterklärungsmuster. So z.B. die Debatte 2017 um Kollegah und Farid Bang in Deutschland. Diese Diskussion wollen wir an dieser Stelle nicht weiter ausführen.

Auch wenn Rap oft über Provokationen, Tabubrüche, Witze oder „Dissen“ funktioniert, ist Antisemitismus kein reines Mittel um anzuecken. Hier zeigt sich vielmehr die gesamtgesellschaftliche Verbreitung und Akzeptanz von antisemitischen Denkmustern. Daher ist es auch für Medienschaffende wichtig hierfür einen kritischen Blick zu entwickeln.

Rapper:in Sookee und Ben Salomo (Link zu Antisemitismus Bild und Ton) haben sich zur Aufgabe gemacht dagegen zu halten: Sie setzten sich differenziert mit Antisemitismus und den Auswirkungen von Antisemitischen Strukturen in der Gesellschaft im Form von Rap auseinander. Sookee versucht durch ihren Rap gesellschaftliche Versänderungen zu bewirken. Als Role Model für Frauen und Queere Menschen in einer maskulinen Hip Hop Szene setzen sich ihre Texte kritisch mit Sexismus, Antifaschismus, Rassismus und Antisemitismus auseinander. Sie definiert sich selbst als Aktivistin und versucht ihren Bekanntheitsgrad für soziales Engagement einzusetzen.

Übung

Höre dir den folgenden Song von der Rapper:in Sookee an.

Frage dich: Worüber rappt Sie? Was fällt dir auf? Wie verbindest du die Inhalte mit Antisemitismus? Worauf will sie mit ihren Anspielungen hinaus? Was empfindest du dabei? 

Schreibe dir auch deine Fragen und Irritationen auf.

Vergleiche deine Gedanken mit Sokees Intentionen

Klicke im Anschluss deiner Übung auf den Button unten und schaue dir das Interview der Rapper:in Sookee mit dem jüdischen Forum über ihren Song an. Sie erklärt ihre Beweggründe und Intentionen. Schaue es dir an, um deine Überlegungen mit ihren zu vergleichen und mehr über antisemitische Tendenzen innerhalb des deutschsprachigen Rap zu erfahren.

Wann ist Kritik am israelischen Staat antisemitisch?

3-D-Test

„Viele wünschen sich einen Antisemitismus-Schnelltest in Form eines Alkoholtests: antisemitisch oder nicht antisemitisch? Das kann schon vom Prinzip her nicht funktionieren, denn wer Antisemitismus erkennen will, muss sich notgedrungen mit seiner Wandlungsfähigkeit, seinen Facetten, seiner Historie und Gegenwart näher beschäftigen.“

Amadeu Antonio Stiftung in der Handreichung „«Man wird ja wohl noch Israel kritisieren dürfen…»? Eine pädagogische Handreichung zum Umgang mit israelbezogenem Antisemitismus“

Gerade jenseits der radikalen Rechten, also innerhalb der politischen Mitte bzw. der Linken, ist eine häufige Artikulationsform von Antisemitismus die des Antiisraelismus. Grundsätzlich gilt, dass es keine allgemeingültige Formel gibt, um zwischen Kritik und Antisemitismus bezogen auf Israel zu unterscheiden. Der von der Amadeu Antonio Stiftung empfohlene, folgende 3D-Test kann jedoch helfen israelbezogener Antisemitismus zu erkennen und eine Differenzierung erleichtern (weitere Informationen). 

Kritik am israelischen Staat ist nach dem 3D-Test antisemitisch, wenn: Israelis mit Nazis verglichen werden, der Staat an Standards gemessen wird, die sich von denen für andere Länder unterscheiden und das Existenzrecht des jüdischen Staates implizit oder explizit infrage gestellt wird (weitere Informationen).


Was bedeuten die "D"?

Etwas ist legitim, wenn es gesellschaftlich als richtig/rechtmäßig angesehen wird. Delegitmierung bedeutet also Israel die Richtigkeit/Rechtmäßigkeit abzusprechen. Israel hat dann also kein Recht zu bestehen.

Dämonisierung meint etwas als übertrieben böse darzustellen, wie Dämonen. So Böse, dass es das Menschliche übersteigt.

Du bewertest etwas viel strenger als andere Sachen. Du legst sozusagen eine viel höhere Messlatte an etwas. Auf Israel bezogen kann es bedeuten: Du schaust nur dort nach Fehlern und bösen Taten, schaust aber nie auf andere Länder oder ignorierst die gleichen Sachen gar bei anderen Ländern.

Dieses kurze Video erklärt nochmals den 3D-Test und das Schaubild.

Was sollte ich beachten, wenn ich Medienarbeit zu Israel mache?
(3-D-Test)

Weiter zu Bild und Ton: 

Antisemitismus wird auch auf der Bild- und Tonebene reproduziert – finde heraus, wie du bessere Bilder produzieren kannst.