Klassismus

Sprache

Klassismus, Sprache und Bildung

Es wird wenig über Klassismus gesprochen. Dennoch bildet sich Klassismus in unserem Sprachgebrauch ab. Sprache und Klassismus stehen in direkten Zusammenhang mit Bildung. Bildung und „gebildete Sprache“ führen zu Privilegien. Das bedeutet: Wer sich gut ausdrücken kann, hat bessere Chancen. Die Privilegien werden häufig dafür genutzt Hierarchien herzustellen und Macht zu sichern. Dies passiert mal mit mehr oder mit weniger Nachdruck. An vielen Schulen wird Arbeiter:innenkindern oder Jugendlichen mit Armutserfahrungen unterstellt, sie hätten Sprachrückstände. Ihre Sprache wird oft als anders, direkter, einfacher und somit auch schlechter dargestellt. Die Sprache, die Menschen aus privilegierten sozialen Gruppen sprechen wird hingegen oft als besser und höher bewertet.

Wie spreche ich?

Wie kann ich es vermeiden Klassimus
auf sprachlicher Ebene zu reproduzieren?
Teste zuerst dein Wissen!

Die Reflexion der eigenen Sprache ist ein guter Anfang, um klassismussensible Medien zu produzieren. Überprüfe in folgendem Quiz, wie gut du über Begrifflichkeiten in Bezug auf Klassimus Bescheid weißt. 

No Go!
Begriffe und Ausdrücke die zu vermeiden sind!

Sozial schwach 

Der Ausdruck „sozial schwach“ unterstellt Menschen mit geringem Einkommen nicht ausreichend soziale Fähigkeiten zu haben.

 

 

asozial 

Der Begriff „asozial“ sollte unbedingt vermieden werden. Denn: Die Abwertung und Kriminalisierung von sogenannten „Asozialen“ begann bereits in den 1920er Jahren. Ihnen wurde zugeschrieben, sie seien „moralisch schwachsinnig“ und sie wurden mit dem offiziellen Label von „abweichendes Verhalten“ deklariert. Dies führte unter anderem zur Verhaftung von als „asozial“ stigmatisierten Frauen, denen ein Verhältnis mit Zwangsarbeitern nachgesagt wurde. (Gehl 2017). 

Begriffe und Ausdrücke die zu empfehlen sind!

von Armut betroffen 

Durch die Markierung der Betroffenheit wird deutlich, dass „arm“ sein keine Wesenseigenschaft darstellt und der Lebensumstand von den betroffenen Personen nicht selbst gewählt ist bzw. wird. 

 

Menschen mit Armutserfahrung 

Der Begriff Armutserfahrung drückt aus, dass Menschen, die Armut erfahren, durchaus auch Expert:innen ihrer (Lebens-)Situation sind.

 

ökonomisch benachteiligt 

Der Begriff weist darauf hin, dass Armut mit Benachteiligungen verbunden und strukturell bedingt und verankert ist.

Mehr dazu! Klassismus
und Sprache

Hier findest du eine Sammlung 

an Begriffen und Ausdrücken, 

die du vermeiden solltest und 

jene die du verwenden solltest!

Über Klassismus sprechen!
#unten - Online Debatten
und Klassismus

Der Hashtag #unten taucht seit 2018 verstärkt in den Sozialen Medien auf. Unter diesem Hashtag teilen Menschen ihre Erfahrungen mit Klassismus und sozialer Diskriminierung. Sie berichten über diskriminierende Vorfälle, sprechen über Ängste und Wünsche und zeigen die ungleiche Verteilung von Ressourcen und Zugängen auf.

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CC-Lizenz: BY-ND

Lizenz: CC BY-ND Namensnennung, keine Bearbeitung; Video von: Team Diversify! für Diversify! Webseite für diversitätsbewusste Mediengestaltung

Videoaufnahme: November 2018

„Der Hastag #unten macht es möglich, auf eine sehr niederschwellige
Art und Weise die eigene Biografie und eigene Erfahrungen zu
thematisieren“ sagt Tanja Abou.

Tanja Abou ist Social Justice Trainerin und Sozialarbeiterin und Nenad Čupić ist Trainer und Berater für Antidiskriminierung. In diesem Interview sprechen die beiden über die Entstehung des Hashtags #unten und über eine Ergänzung des Hashtags #oben.

(Un)Sichtbarkeit

Wer spricht eigentlich über Klassismus
und welche Folgen hat das?

Ein aufgeschlagenes Schreibheft ohne jegliche Beschriftung. Ein Schwarzer Arm ist zu sehen mit einem Stift in der Hand, der die Seite an der rechten oberen Seite berührt.
Photo by anormaly on Unsplah

„Beim Thema soziale Ungleichheit 

sollten nicht nur von 

Klassismus Betroffene sprechen, 

während alle anderen 

schweigen und weiter versuchen 

ihre Klassenprivilegien zu verstecken.“

Francis Seeck im Beitrag „von #unten und #oben – Wir müssen übers Erben sprechen“ auf kleinerdrei.org

Die Debatte über Klassismus und soziale Ungleichheit ist oft unsichtbar oder wird unsichtbar gemacht. Das bedeutet oft wird in Medien nur eingeschränkt oder gar nicht über Klassismus und die Diskriminierung aufgrund der soziale Herkunft berichtet. Besonders wird kaum explizit über die individuellen Auswirkungen und die strukturellen Ursachen gesprochen. Durch das Verschweigen werden jedoch auch Einstellungen und Hierarchien vermittelt. Diese Form der Unsichtbarmachung oder Auslassung trifft auf Klassismus in besonderem Maße zu. Und: Wenn überhaupt Sichtbarkeiten geschaffen werden, dann meist von betroffenen Personen. Klassismus wird somit nicht als ein gesamtgesellschaftliches Problem erkannt.

Folgen

Zum Nachdenken!
Sprache und Medien

Die Sprache, die meist in Medien gesprochen oder geschrieben wird, ist eine Sprache der Mittelschicht. Bei Berichten mit und über Menschen, die durch ihre soziale Herkunft diskriminiert werden, wird über sie geschrieben / gesprochen oder sie werden zitiert. Sprechen sie für sich selbst (z.B. in Form eines Zitats) fällt ihr Sprachgebrauch möglicherweise aus dem sprachlichen Standard des Mediums heraus. Dadurch werden die Betroffenen wiederum als „Anders“ dargestellt. 

Hast du eine Haltung dazu? Wie gehst du in deiner Medienproduktion damit um? Sollte sich die Standard-Sprache der Medien ändern?


Weiter zu Bild und Ton:  

Erfahre, wie Klassismus auf bildlicher und tonlicher Ebene (re-)produziert wird