Wie lassen sich bewährte Lehr-/Lernformate aus dem Analogen in die digitale Welt übertragen?

Dafür müssen Sie Ihre bisherigen Lehr-Konzepte nicht komplett über Bord werfen. Sinnvoll ist eher ein geplantes didaktisches und sparsames Vorgehen, bei dem Ihre Lerninhalte und Lernziele im Vordergrund stehen.

Eins-zu-Eins-Übertragung von Lerninhalten ins Digitale

Es ist klar, dass Sie Ihre gewohnte Lehre voraussichtlich nicht komplett in den Online-Bereich übertragen können. Überlegen Sie deshalb zuerst, ob es Elemente Ihrer bisherigen Lehre gibt, die Sie möglichst unaufwändig eins zu eins digitalisieren können. Beispiele hierfür wären:

  • Klassische Vorlesungen, die Sie als Audio oder Video aufnehmen (Denken Sie dabei auch an die Aufmerksamkeitsspanne und unterteilen Sie die Inhalte ggf. sinnvoll.)
  • Übungen mit klaren schriftlichen Instruktionen 
  • Selbstlerninhalte mit ausreichend vorhandenem Material
  • Einfache Tandemübungen, wie z.B. Diskussionen, die auch online durchgeführt werden können

Fokus auf Lerninhalten und Lernzielen bei der Digitalisierung

Beim nächsten Schritt – der Neukonzeptualisierung der übrigen Lerninhalte – sollte Ihr Fokus auf Ihrer fachlichen Kompetenz liegen. Zu vermittelnde Lerninhalte und zu erreichende Lernziele stehen dabei im Vordergrund. Hierbei kann die Bearbeitung folgender Fragen hilfreich sein: 

Arbeit mit Lernzielen

Gerade die Formulierung von Lernzielen kann Sie bei der Digitalisierung Ihrer Lerninhalte darin unterstützen, die wesentlichen Themen herauszuarbeiten, die Sie vermitteln möchten. Lernziele beschreiben Kompetenzen, die Ihre Zielgruppe nach Abschluss eines Lernprozesses erworben haben sollte. Anhand der von Ihnen formulierten Lernziele können Sie Inhalte und (digitale) Methoden einfacher auswählen. Strukturierung, didaktische Reduzierung des Inhalts, Methodenreflexion sowie konkrete Handlungsgrundlage für die Planung der Leistungskontrolle sind so leichter möglich.

Doch wie genau lassen sich diese Ziele am besten formulieren? Die folgenden drei Konzepte sollen einen ersten Einstieg bieten:

  • Formulieren Sie für Ihre Lerninhalte Richtlernziele (das Gebiet, aus dem die Lernenden ihr Wissen beziehen sollen), Groblernziele (Fertigkeiten und Kenntnisse) sowie Feinlernziele (konkrete Kompetenzen und Tätigkeiten)
  • Ordnen Sie Ihre Lerninhalte in eine Lernzielhierarchie ein, z.B. die Bloom’sche kognitive Lernzieltaxonomie.
  • Formulieren Sie, noch konkreter, einzelne Learning Outcomes für jeden Themenbereich (indem Sie die Fragen „Wer macht was womit wozu“ genau beschreiben)

Übrigens: Lernziele können Sie nicht nur bei der Konzeption Ihrer Inhalte unterstützen, sie wirken auch positiv auf den Lernprozess selbst ein. Werden sie zu Beginn des digitalen Lernangebots transparent gemacht, ergeben sich zahlreiche Vorteile für die Lernenden: Information, Strukturierung, Motivierung und Aktivierung, Einbindung der Studierenden, stärkere Partizipation und Steuerung des Lehr-/Lernprozesses, selbstständige Erfolgskontrolle (selbstständiges Lernen) uvm.

Das Prinzip der Sparsamkeit bei der methodischen Umsetzung

Für die Digitalisierung der übrigen Inhalte kann das Prinzip der Sparsamkeit hilfreich sein: Stellen Sie daher, vor allem zu Beginn Ihrer digitalen Lehrkarriere, keine allzu großen methodischen und technischen Ansprüche an sich – wählen Sie im Zweifelsfall immer eine einfachere Methode.


Zur Vertiefung


Teile dieses Textes beruhen auf folgenden Beiträgen:



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Lizenzhinweis: Barrierearme Lehrmaterialien gestalten, Dorothee Wagner | HOOU@HAW, CC BY 4.0.