Sie fragen sich, was aus juristischer Perspektive in Bezug auf digitale Lehre eine Rolle spielt und was es zu beachten gilt? Der folgende Artikel gibt einen kurzen Abriss über die häufigsten Rechtsfragen, die im Kontext von digitaler Lehre vor allem das Urheberrecht und das allgemeine Persönlichkeitsrecht tangieren.

Beim Urheberrecht geht es um die konkrete Ausgestaltung der Lehrinhalte, die in der Regel als urheberrechtliches Werk geschützt ist. Das Recht am eigenen Bild bzw. das Datenschutzrecht als Ausprägung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts sind relevant, wenn personenbezogene Daten in den Lehrmaterialien vorkommen, etwa bei Videos, in denen Sie oder andere Personen im Bild sind oder wenn Ihre Stimme in einer Vorlesungsaufzeichnung oder einem Stream zu hören ist.

Wichtig: Als Lehrende:r haben Sie in beiderlei Hinsicht die Rechte an den Materialien und können im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen (insb. §§ 60 a ff UrhG) darüber entscheiden, inwieweit diese durch die Studierenden oder andere Personen genutzt werden dürfen.

Urheberrecht

Lehrende machen immer wieder die Erfahrung, dass ihre Materialien gegen ihren Willen weitergegeben oder an anderer Stelle veröffentlicht werden. Denn dass Lehrmaterialien urheberrechtlich geschützt sind, ist den Studierenden nicht immer bewusst.

Tipp: Nehmen Sie hierzu entsprechend einen Hinweis in Ihre Materialien auf und machen Sie die Studierenden dadurch explizit auf den Schutz und Ihre damit einhergehenden Rechte aufmerksam.

Formulierungsbeispiel für Videos/Skripte:
© Name Professorin/Dozentin
Dieses Video/Dieses Skript ist urheberrechtlich geschützt.
Die Nutzung ist nur im Rahmen des Studiums gestattet.
Eine Weitergabe oder Wiederveröffentlichung an anderen Stellen (insb. im Internet) ist unzulässig.

Denkbar ist in Skripten auch eine Kurzfassung in der Fußzeile, z.B.:
Dieses Material ist urheberrechtlich geschützt. © Anna Muster.

Der Hinweis kann im Falle von Videos im Abspann untergebracht werden und nach Möglichkeit ergänzend in einem Begleittext unter dem Video. Ebenfalls kann er in die Kommunikation mit den Studierenden, etwa in E-Mails oder in Hinweistexten im Intranet/im LMS, mit aufgenommen werden.
Bei digitalen Skripten kann der Hinweis zu Beginn und/oder am Ende des Materials untergebracht werden (oder ggf. dezent auf jeder Seite unten).

Persönlichkeitsrecht

Aber nicht nur vorgefertigte Materialien sondern auch Online-Vorlesungen können unversehens im Netz landen. Hier werden Ihre Rechte am eigenen Bild und am gesprochenen Wort berührt – und ggf. die der Studierenden, wenn diese sich mit eigenen Beiträgen einbringen. Aufzeichnungen sind ohne Einwilligung gesetzlich nicht gestattet. Auch dieser Aspekt ist bei den Studierenden nicht immer präsent.

Hinweis: Den Mitschnitt einer Online-Vorlesung bzw. eines Webinars kann man bei den meisten Tools bzw. Anwendungen nicht technisch unterbinden. Gleichermaßen kann man nicht kontrollieren, ob jemand beispielsweise den Monitor abfilmt oder Screenshots anfertigt. Was können Sie also tun?

Tipp: Zu Sensibilisierungs- bzw. Hinweiszwecken sollten Sie Informationen zu Mitschnitten bereithalten, entweder in Textform oder in Form von Symbolen, die Sie gleich zu Beginn und ggf. auch am Ende der Lehrveranstaltung in Ihr Video einblenden.

Formulierungsbeispiele für Vorlesungen/Webinare:
Aufzeichnungen bzw. Mitschnitte sind nicht gestattet.
oder:
Aufzeichnungen bzw. Mitschnitte bedürfen der ausdrücklichen Zustimmung (im Vorfeld).
ggf. mit Zusatz:
Insbesondere ist jegliche Weitergabe oder Wiederveröffentlichung an anderen Stellen unzulässig.
oder:
Eine Weitergabe oder Wiederveröffentlichung an anderen Stellen (insb. auf Plattformen wie Youtube oder in sozialen Netzwerken) ist unzulässig.
oder:
Eine Weitergabe oder Wiederveröffentlichung an anderen Stellen (insb. auf Plattformen wie Youtube oder in sozialen Netzwerken) ist unzulässig und wird rechtlich verfolgt.

Veröffentlichung unter einer offenen Lizenz (z.B. CC-Lizenz)

Sie finden es gut, wenn Ihre Materialien möglichst vielen Menschen zugutekommen und begrüßen die Vervielfältigung, Weitergabe und/oder Weiternutzung ausdrücklich? Sie möchten Studierenden oder anderen Interessierten die Möglichkeit geben, die Materialien z.B. durch Bearbeitung an ihre Zwecke anzupassen? Dann können Sie Ihre Rechte auch dahingehend nutzen, Ihre Lehr- und Lernmaterialien unter einer offenen Lizenz, etwa einer Creative Commons-Lizenz (kurz: CC-Lizenz, z.B. CC BY 4.0 oder CC BY-SA 4.0) zu veröffentlichen. Vorteile können darin liegen, Ihre Reichweite bzw. die Ihrer Publikationen zu erhöhen und insb. den Zugang zu Wissenschaft und Forschung zu öffnen bzw. zu erleichtern.

Tipp: Kennzeichnen Sie die Bereitstellung zur Weiternutzung durch das Anbringen entsprechender Lizenzhinweise (s.o.), Symbole oder maschinenlesbarer Fassungen der CC-Lizenz unmittelbar am/im Material.

Details zur Umsetzung finden Sie in dem Praxisleitfaden Rechtsfragen zur Digitalisierung in der Lehre von Tom Hirche und Dr. Till Kreutzer (Hg.: MMKH).

Vorgehen bei Rechtsverstößen

Werden Sie auf unberechtigte Nutzungshandlungen aufmerksam, stehen Ihnen zivil- oder strafrechtliche Mittel zur Verfügung, um diese zu unterbinden und/oder sanktionieren zu lassen. In erster Linie kommen Abmahnungen in Frage bzw., sollten diese nicht zielführend sein, einstweilige Verfügungen bzw. Klagen bis hin zu strafrechtlichen Anzeigen.

Praxis-Tipp: Stellen Sie fest, dass Ihre Lehrmaterialien unter Verstoß gegen Ihre Rechte veröffentlicht wurden, sollten Sie umgehend an die jeweilige Plattform herantreten, die Rechtsverletzung melden und die Entfernung der Inhalte fordern. Dies ist z.B. bei Youtube über das Meldesystem möglich. Andere Plattformen stellen ähnliche Tools bereit.

Weitere Informationen zum Urheberrecht mit vielen Praxisfragen finden sich in der Publikation „Urheberrecht in der Wissenschaft“ (Hg.: BMBF und dbv).