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stARTcamp Beitrag 2019

Digitales Storytelling über die Hammaburg

Durch digitales Storytelling soll der Domplatz, der einstige Standort der Hammaburg, wiederbelebt werden.

von Anais Wiedenhöfer, Archäologisches Museum Hamburg

Das Projekt SmartSquare am Hamburger Domplatz

Der Domplatz im Herzen der Hansestadt wird von vielen Hamburger*innen als kleine Oase im Schatten der Mönckebergstraße genutzt. Wenige Besucher*innen des Platzes sind sich jedoch seiner historischen Relevanz als Standort der Hammaburg und der ersten Kirche Hamburgs bewusst. Dies auf digitale Weise zu ändern war das Ziel unseres Forschungsprojekts „SmartSquare“.

Im Rahmen des Verbundprojekts „SmartSquare“ erprobte das Archäologische Museum Hamburg in Kooperation mit der HafenCity Universität, dem Netzwerk der digitalen Wirtschaft Hamburg@work und eCulture.info drei Jahre lang dort neuartige digitale Vermittlungskonzepte.

Durch digitales Storytelling soll der Domplatz, einstiger Standort der Hammaburg und über Jahrhunderte hinweg geistig-kultureller Mittelpunkt der Stadt, wiederbelebt werden. Ziel ist die Erprobung von Formaten, die möglichst schwellenfrei funktionieren. Durch innovative Dienste sollen außerdem die Inhalte auch ohne räumliche Eingriffe an Interessierte gebracht werden.

Am Domplatz sind in den letzten drei Jahren vielfältige digitale Angebote entstanden. Sie sind herzlich eingeladen diese zu testen! Ob vor Ort, mit dem Smartphone oder Tablet oder auch am heimischen PC.

Kulturelle Injektionen – Archäologische Infos für unterwegs

ArchaeoScreen – der Info-Bildschirm am Bischofsturm

Haben Sie zwei Minuten?

Seit dem Umbau des Gebäudes am Speersort 10 können Interessierte direkt gegenüber des Domplatzes die außergewöhnliche Außenstelle des Archäologischen Museums besuchen: den Bischofsturm, eines der bedeutendsten und das älteste Baudenkmal Hamburgs. Dort im Schaufenster dieser Museumsfiliale finden Sie den „ArchaeoScreen“.

Wie auf einer „digitalen Litfaßsäule“ werden dort digitale Rekonstruktionen der Hammaburg aus dem 9. Jahrhundert sowie kleine Geschichten zu Fundobjekten rund um den Mythos Hammaburg gezeigt und erzählt – kurze Rätsel laden zum Grübeln ein. Zusätzlich wird über Aktuelles aus dem Archäologischen Museum Hamburg informiert und auf die neusten Angebote des Archäologischen Museums am Domplatz aufmerksam gemacht.

HammaBot – auf einen Schnack mit unserem digitalen Kollegen.

Dürfen wir vorstellen? HammaBot.

Wir vom Archäologischen Museum haben gemeinsam mit hello.guide den Versuch gewagt, einen Media Guide zu entwickeln, der außerhalb der Museumswände funktioniert. Sowohl über WhatsApp als auch über den Messenger von Facebook können Sie Ihr Wissen rund um das Thema Hammaburg vertiefen und in einen Dialog mit den Expert*innen treten. Mit einer einfachen Form von künstlicher Intelligenz wird eine zweite Neuerung aus der digitalen Welt angeboten und das Medium ChatBot ausprobiert.

In nur wenigen Schritten ist die Verbindung hergestellt und los geht es mit kurzen Videos und Bildern. Dabei kann eigenständig zwischen verschiedenen Aspekten gewählt werden: Archäologie, Stadtgeschichte oder Stadtentwicklung. Wer will, kann auch seinen persönlichen Eindruck zum Platz als Bild oder Text mit dem Bot teilen. Einfach HammaBots Nummer im Telefonbuch speichern, und mit einem “MOIN” über WhatsApp kann’s losgehen!

Für die Nutzung des Bots muss nur die Nummer des HammaBot (+49 1579 233 86 47; Datenschutzerklärung) im Telefonbuch des eigenen Smartphones eingespeichert werden. Ist Ihnen der Facebook Messenger lieber? Dann folgen Sie diesem Link: http://bit.ly/2PrIAOE  m.me/hammaBot.

Alle Videos sind außerdem auf Youtube zu finden.

Audio-Tour – Hammaburg auf die Ohren

Mit offenen Augen und Ohren über den Domplatz

Egal, ob Sie gerade zu Hause sind oder unterwegs – die kurze Audio-Tour soll Sie mitnehmen auf eine kleine Reise zurück zu den Anfängen des heutigen Hamburgs. Gemeinsam mit Birge Tetzner von audio Konzept hat das Archäologische Museum eine kleine Zeitreise vertont, die nicht nur etwas über die Hammaburg erzählt, sondern auch zur Platzgeschichte allgemein.

Wer einen Blick über den heutigen „Domplatz“ (tatsächlich ist diese Bezeichnung nicht im Straßenregister eingetragen) im Hamburger Stadtzentrum wirft, dem stellen sich vermutlich viele Fragen: „Warum sieht es hier so aus?“ „Was hat es mit den weißen Kuben auf sich und was sind das für Stahlblöcke?“ Oder auch: „Wo ist denn jetzt diese Hammaburg?“ Nehmen Sie sich kurz Zeit, wir entführen Sie in das 9. Jahrhundert und bringen Sie wohlbehalten wieder zurück. Mit nur einem Klick geht es hier zur AudioTour.

AR-Anwendung – das Multimedia-Erlebnis

Wie vermittelt man Dinge und Orte, die es nicht mehr gibt? Mit Augmented Reality! Die neue Technologie eignet sich optimal dafür, Orte wie die Hammaburg oder Ansgars Kirche digital vor den Augen der Besucher neu entstehen zu lassen. AR bedeutet erweiterte Realität und so bietet die neue Anwendung am Domplatz einen Blick in vergangene Realitäten, die als 3D-Animationen vor dem Auge der Handykamera auftauchen. Mit Bild und Sound kombiniert kann man so in die Vergangenheit vor rund 1200 Jahren eintauchen.

Die Anwendung benötigt nur ein Gerät mit Kamera, QR-Code Scanner und Internetzugang zum Start. Auf einer Landkarte aus Papier erkennt die Anwendung 5 sogenannte Marker, hinter denen sich spannende Geschichten über den Domplatz verstecken.

Das museale Bewahren und Vermitteln mal anders: Webstorys sollen es möglich machen

Über das abschließende Projekt haben wir uns am Museum viele Gedanken gemacht und uns auch bei unseren Kolleg*innen an anderen Museen umgesehen. Über die Jahre des Projekts wuchs der Wunsch nach einer Plattform, auf der das gesamte Wissen um die Hammaburg leicht zugänglich, unterhaltsam aber dennoch ausführlich zusammengetragen wird. Andere Häuser machen es vor: unter den Namen „Digitorial“ oder „Webdossier“ entstehen digitale Archive mit Begleitmaterial zu den Sonderausstellungen, die über deren Laufzeit hinaus zugreifbar sind. Das Format erlaubt es Besucher*innen, bereits vorab in die Inhalte einer laufenden Ausstellung hineinzuschnuppern oder sie auch nach einer Besichtigung erneut rezipieren zu können. So kann die Plattform etwa der Vor- und Nachbereitung des Museumsbesuches dienen.

Wir am Archäologischen Museum haben die Idee einer digitalen Wissensplattform aufgegriffen und nun das Format der „Webstory“ entwickelt und veröffentlicht. Die Webstory arbeitet mit dem sogenannten „Scrolly-Telling“, einem Format, das im digitalen Journalismus bereits weit verbreitet ist. Im Scrolly-Telling entwickelt sich die Erzählung der Inhalte durch das Scrollen der Lesenden durch eine einzelne Webseite. Entsprechend hat sie einen Anfang und ein Ende; auf Querverweise auf andere Inhalte oder Seiten wird meist bewusst verzichtet. Vertiefungsebenen, die als per Klick ausklappbare Elemente in der Story zu finden sind, erlauben es den Nutzer*innen, die Informationen in Umfang und Tiefe ihren eignen Wünschen anzupassen. So funktioniert die Webstory besonders für die immer weiter verbreiteten mobilen Endgeräte und das schnelle Informieren unterwegs sehr gut.

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