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stARTcamp Beitrag 2019

Medien zum Mitmachen machen – mit H5P

Mit der Software H5P Lernvideos mit eingebauten Quizzes, interaktive Geschichten, virtuelle Rundgänge erstellen.

von Oliver Tacke

Manchmal staunt man, was es im Internet alles gibt: Lernvideos mit eingebauten Quizzes, interaktive Geschichten, bei denen man selbst entscheidet, wie es weitergeht, virtuelle Rundgänge durch Museen mit 360°-Fotos und einblendbaren Zusatzinformationen… Medien zum Mitmachen. Wow. Wenn es doch bloß eine kostenlose Software gäbe, mit der man so etwas und viele andere Dinge einfach erstellen könnte!

Die gibt es. Sie trägt den etwas kryptischen Namen H5P. Sie ist zu finden auf https://h5p.org. Und sie ist tatsächlich kostenlos. Genau genommen ist sogar der Quelltext frei verfügbar, so dass sich die Software an eigene Wünsche anpassen lässt, aber vielleicht fangen wir mit etwas anderem an: Was ist denn H5P?

Hinter H5P verbirgt sich ein Werkzeug, mit dem man Inhalte für Websites erstellen kann. Nicht irgendwelche Inhalte, sondern solche, mit denen man in den meisten Fällen etwas machen kann. Da gibt es beispielsweise Vorher-Nachher-Bilder, bei denen man mit einem Schieberegler mal vom einen Bild mehr einblendet, mal vom anderen. Um solche Interaktionen zu erstellen, muss man eigentlich nicht mehr tun als zwei Bilder hochzuladen. Fertig. Den Rest macht H5P.

Ähnlich einfach erstellt man Videos, die zu bestimmten Zeitpunkten anhalten und die Zuschauer*innen um die Beantwortung einer Frage bitten – im Multiple-Choice-Format? Als Lückentext? Als Zuordnungsaufgabe?

Alles davon ist möglich und mehr. Video hochladen oder verlinken, Zeitpunkt anspringen, Aufgabentyp wählen, Fragen und Antwortoptionen eingeben. Speichern. Das war’s.

Und dann gibt es da noch Diktate, Rundgänge mit 360°-Fotos, interaktive Geschichten, die sich je nach Antwort der Besucher*innen der Website anders entwickeln, Zeitstrahlen mit angehefteten Texten, Bildern, Videos, … Einen Überblick über all die Möglichkeiten bekommt man anhand von Beispielen auf https://h5p.org/content-types-and-applications. Und als wären die circa 40 Inhaltstypen noch nicht genug, kommen ständig neue hinzu!

Das Tolle dabei: Wer ein bisschen programmieren kann, kann selbst neue Inhaltstypen erstellen, bestehende anpassen oder gleich die ganze Software um neue Funktionen erweitern. Die norwegischen Macher*innen von H5P haben den Quelltext samt zusätzlicher Dokumentation nämlich veröffentlicht, statt beides geheimzuhalten. Sie selbst entwickeln daran weiter, aber freuen sich auch, wenn andere sie unterstützen.

Aber, natürlich, erst einmal ausprobieren. Das geht besonders einfach auf http://einstiegh5p.de/, wo man ohne sich anmelden zu müssen H5P-Inhalte erstellen und damit experimentieren kann.

Haken an der Sache: Dort werden die Inhalte automatisch nach wenigen Stunden gelöscht. Ist halt bloß zum Ausprobieren gedacht. Wer Inhalte dauerhaft bereitstellen möchte, sollte H5P auf einem eigenen Webserver installieren. Nötig ist dafür allerdings noch ein System, in dem H5P integriert werden kann. Das kann zum Beispiel WordPress oder Drupal sein, für die es ein entsprechendes H5P-Plugin gibt. Für einige Lernmanagementsysteme, wie sie an Schulen oder Hochschulen verbreitet sind, gibt es ebenfalls Plugins. Die bieten dann gleich noch ein paar weitere Möglichkeiten, wie etwa das Auswerten der erhaltenen Punkte aus H5P-Aufgaben. Unterstützte Lernmanagementsysteme sind beispielsweise Moodle, ILIAS und Stud.IP. Dank des offenliegenden Quelltextes ist es allerdings möglich, ein entsprechendes Plugin für andere Systeme zu erstellen oder erstellen zu lassen.

Wer keinen eigenen Webserver hat oder haben will, muss trotzdem nicht leer ausgehen. Speziell für Lehrer*innen gibt es einige Plattformen, die sie mitnutzen können. Dazu zählen etwa solche von Bundesländern, wie mebis in Bayern oder der Landesbildungsserver Baden-Württemberg. Es gibt allerdings auch noch die H5P-Plattform der Zentrale für Unterrichtsmedien auf https://apps.zum.de. Dort darf jede*r nach Registrierung Inhalte erstellen und lagern, allerdings müssen diese im Gegenzug unter einer freien Lizenz zugänglich gemacht werden. Und schließlich gibt es auch noch Dienste wie H5P.com auf https://h5p.com, bei denen man gegen etwas Bares eine fix und fertige Installation ohne Auflagen bekommt – dafür aber mit ein paar Extras, auf die man sonst verzichten muss.

Es gäbe noch Vieles, das man erwähnen und diskutieren könnte, aber am besten ist es sicher, du verschaffst dir einen eigenen Eindruck auf https://h5p.org und wendest dich bei Fragen einfach dort im Forum an die Community.

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