Sie sind auf der Suche nach neuen Formaten in der Lehre? Möchten verschiedene Lehr-/Lernelemente wie synchron/asynchron, digital/face-to-face, virtuell/in Präsenz usw. miteinander verzahnen und suchen nach interessanten Lösungen? Werfen Sie einen Blick in diese Good Practice Beispiele des hybriden Lernens*

Blended Learning mit Apps im Musikunterricht im Projekt „Musik 2050“ (Hamburg Open Online University)

In dem Unterrichtsprojekt „Musik 2050″ befassen sich Schüler:innen umfassend damit, wie sich in 30 Jahren Musik anhören könnte.  
Die als Blended Learning konzipierte Unterrichtseinheit basiert auf einem steten Wechsel zwischen Instruktion, gelenkten Gruppenarbeitsaufträgen und deren Auswertung im Plenum sowie in einer längeren selbstverantworteten Kompositionsphase. Über alle Phasen hinweg werden dabei unterschiedliche digitale Tools genutzt. Das Projekt ist für die Oberstufe konzipiert und eignet sich für heterogene Lerngruppen mit sehr unterschiedlichem musikalischem Vorwissen. 
Good Practice Link: Apps im Musikunterricht

Große Veranstaltung als Flipped/Inverted Classroom (Universität Basel)

Flipped Classroom ist eine inzwischen oft erprobte Form des Blended Learning. Das Lernangebot ist aus sich abwechselnden synchronen Phasen (meistens vor Ort an der Hochschule) und asynchronen Phasen (zuhause oder mobil) aufgebaut. In den asynchronen Phasen eignen sich die Lernenden die Inhalte und Lernstoffe eigenständig anhand digitaler Materialien an. In dieser Phase werden den Lernenden beispielsweise vorproduzierte Videos oder ein digitales Lernangebot in Form von interaktiven Präsentationen zur Verfügung gestellt. Die gemeinsame Zeit im Hörsaal wird zur Vertiefung genutzt, etwa durch Diskussionen und Übungen.
Good Practice Link: Flipped Classroom

Beispiel für ein Lernszenario im Flipped/Inverted Classroom Format. Quelle: https://tales.nmc.unibas.ch/de/blended-learning-guide-24/integrationskonzept-137/example-scenario-using-the-flipped-classroom-format-for-large-scale-lectures-702, CC BY-NC-SA

Ein hybrider Challenge Based Learning Ansatz (TU Hamburg)

Studierende evaluieren alternative Kraftstoffe mit dem CBL-Ansatz: Hierfür werden die Studierenden zu Beginn des Semesters in Arbeitsgruppen eingeteilt, welche sich mit unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten rund um die Herausforderungen der zukünftigen Mobilität befassen. Dabei wird nach dem Challenge-based Learning-Ansatz gearbeitet. Die Ergebnisse werden in einer Abschlussveranstaltung präsentiert, wofür ein Online-Videotool verwendet wird. Anschließend wird eine Expert:innenkommission aus Studierenden gebildet. Mit Hilfe eines kollaborativen Online-Tools sammelt und diskutiert die Kommission die Ergebnisse und spielt diese erneut in die Veranstaltung ein. 
Good Practice Link: Challenge Based Ansatz

Der Challenge Based Ansatz, Copyright: TU Hamburg, Quelle: https://eciu.tuhh.de/challenge-based-learning/

Integration von Blended-Learning Elementen, einer multimedialen Lernumgebung und Gamificationansätzen in einem Studiengang (Universität Oldenburg) 

Bei diesem Projekt wird ein ganzer Studiengang in den Blick genommen. Das Hauptziel dabei ist, die „Digital Literacy“ zu fördern. Zudem soll eine Flexibilisierung des Lernens und eine Entlastung des Lehrpersonals erreicht werden. Neben Blended-Learning Elementen wurden eine multimediale Lernumgebung sowie ein E-Portfolio entwickelt. Auch Gamification-Ansätze werden erprobt. 
Good Practice Link: Blended-Learning Elemente, multimediale Lernumgebung und Gamificationansätze

Community-Based Learning mit multimedialen Beiträgen zu urbaner religiöser Vielfalt im Raum Hamburg (Hamburg Open Online University)

In Workshops an Schulen, Religionsgemeinschaften und Universitäten wird anhand von audiovisuellen Materialien über den religionswissenschaftlichen Blick diskutiert. Im Anschluss werden mit den Teilnehmenden eigene kurze Film-, Bild- und Tonbeiträge erarbeitet und veröffentlicht.  In der kontinuierlichen (auch selbstständigen) Nutzung des Lernangebots entsteht so langfristig ein Pool von Lernressourcen, die zur Erprobung zivilgesellschaftlicher Offenheit und weltanschaulicher sowie religiöser Toleranz einladen. Zur Organisation eigener Workshops an gibt es eine didaktische Handreichung und Selbstlernanleitung. 
Good Practice Link: Religionen in Hamburg

Kollaboratives Lernen unter Einbeziehung einer offenen Community (Hamburg Open Online University)

Das Lernangebot von Libre Solar teilt sich in zwei Hauptbereiche auf: Zum einen wird durch eine offene Community im Hochschulumfeld gemeinsam mit zivilen Vereinen und Institutionen das Thema Open Source Hardware erforscht und wissenschaftlich aufbereitet. Der zweite Hauptbereich ist die Erstellung einer Schrittanleitung zum Nachbau einer sogenannten Solarbox, die wiederum als Basis zur Durchführung von Workshops und praktischen Übungen dient. Im Lernangebot können sich die Teilnehmenden spannendes Hintergrundwissen aus dem Bereich Solarenergie-Technik erarbeiten. Sie werden dabei technisch so weit geschult, dass sie nach erfolgreichem Abschluss selbst ein mobiles regeneratives Energiesystem aufbauen können. 
Good Practice Link: Kollaboratives Lernen

Das Logo des Lernangebots, Quelle: https://learn.libre.solar, CC BY-SA

Geschichtenbasiertes E- und Blended-Learning zu gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit auf Basis eines Comics (TU Braunschweig) 

In einem hybriden Ansatz auf Basis eines biografischen Comics setzen sich die Teilnehmenden mit den Themen Diversität, gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und Akzeptanz auseinander. Neben der fachlichen Dimension werden zahlreiche überfachliche Kompetenzen geschult. Die Präsenz-, Gruppen- und E-Learning-Phasen bauen aufeinander auf, sind eng verzahnt und wechseln einander ab. Zum Einsatz kommen vielfältige Methoden: Input durch die Lehrkraft, durch die Lehrkraft angeleitete Diskussion und Arbeit im Plenum, Textanalyse und -verständnis (Einzelarbeit), Gruppendiskussionen und -entscheidungen, digitale Präsentationen sowie Online-Feedback. Dabei werden verschiedene digitale Tools und eine Lernplattform genutzt. Good Practice Link: Geschichtenbasiertes Lernen

Geschichtenbasiertes Lernen mit Comics, Copyright Martina Schradi, Quelle: https://www.achsoistdas.com/projects/dieter-29/

Kollaborative, Inter- und Transdisziplinäre Lehr-/Lernszenarien in dem Projekt „Sustainable Futures“ (Hamburg Open Online University) 

In dem Projekt „Sustainable Futures“ wurde ein Szenario konzipiert, das Studierenden ermöglicht, selbstständig in interdisziplinär zusammengesetzten Teams ein selbst gewähltes Thema der Nachhaltigkeit zu bearbeiten sowie selbst offene Bildungsmaterialien inter- und transdisziplinär erstellen zu können. Gerahmt von drei Präsenzveranstaltungen erhalten die Studierenden Unterstützung durch Fachexpertise on demand, Team-krisen-Support on demand, bereitgestellte Online-Arbeitsräume, monodisziplinäre Fachforen sowie Tutorials zur Erstellung von Videos. Aus dem Projekt resultierte eine Buchveröffentlichung, in der das didaktische Szenario ausführlich dargestellt ist. Good Practice Link: Kollaborative, Inter- und Transdisziplinäre Lehr-/Lernszenarien

Kollaborativer und interdisziplinärer Online-Kurs zu Sustainable Tourism & Stakeholder Networking for SIDS (Hamburg Open Online University)

Der auf sieben Wochen angelegte betreute und moderierte Online-Kurs bietet eine interdisziplinäre Perspektive auf nachhaltigen Tourismus für kleine Inselentwicklungsländer (SIDS). Dabei führt der Kurs die Teilnehmenden in ein breites Spektrum touristischer, aber auch politikbezogener Themen ein.  
Die Teilnehmer:innen aus aller Welt kommen in diesem Kurs mit Gleichgesinnten in Kontakt, haben Gelegenheit Ideen, Meinungen und Wissen auszutauschen und diskutieren gemeinsam über die aktuelle Tourismuspolitik. Die verschiedenen digitalen Lernmaterialien (Handbücher, Videos, interaktive Aufgaben) dienen dabei als Grundlage und stehen über den Kurs hinaus als Selbstlernangebot frei zur Verfügung. Good Practice Link: Kollaborativer Online Kurs 

Einführungsbild zum Lernangebot Sustainable Tourism, Quelle: https://www.hoou.de/projects/sustainable-tourism-for-small-island-developing-states-sids-policy-maker-edition/preview, CC BY-SA

* Der Begriff hybrides Lernen wird unterschiedlich definiert und ist im Wandel. Wir verstehen darunter sowohl die klassischen Blended Learning Formate (d. h. eine „Kombination von virtuellen und nicht-virtuellen Lernsettings und Methoden“2 wie z. B. Flipped/Inverted Classroom) als auch Formate, die über diese Dichotomie hinausgehen. “Das ist mehr als die Frage ‘online oder offline?’ Vielmehr geht es um die Verknüpfung von ‘online und offline’.”3  
Wir nehmen didaktisch sinnvolle Kombination und Verzahnung verschiedener Lehr-/Lernelemente (z. B. synchron/asynchron, digital/face-to-face, virtuell/in Präsenz usw.) in den Blick.4

Quellen:
https://open-educational-resources.de/5rs-auf-deutsch/, Abruf am 19.03.2021 
2: https://www.e-teaching.org/lehrszenarien/blended_learning, Abruf am 09.03.2021 
3: HAW Hamburg: https://www.haw-hamburg.de/digitalisierung/lehre-und-lernen/hybride-lehr-und-lernraeume, Abruf am 9.3.2021 
4: Gabi Reinmann: HYBRIDE LEHRE – EIN BEGRIFF UND SEINE ZUKUNFT FÜR FORSCHUNG UND PRAXIS, https://gabi-reinmann.de/wp-content/uploads/2021/02/Impact_Free_35.pdf, Abruf am 9.3.2021 


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Credits für diesen Artikel:
Autor*innen: Martina Schradi, Julia Bieck, Nina Anders, Lizenziert unter CC BY 4.0 DE

MARTINA SCHRADI berät und lehrt an der HAW Hamburg und an der Uni Basel zu Didaktik und Gestaltung von digitalen Lernangeboten. Außerdem zeichnet sie Comics.
Sie erreichen Martina unter martina.schradi@haw-hamburg.de