Lehrplan
Kurs: KISS* - KI für Schüler*innen und Studier...
Anmeldung

Curriculum

KISS* - KI für Schüler*innen und Studierende

Text lesson

2 Formen und Grenzen von KI

Nachdem wir im ersten Abschnitt gesehen haben, wo wir im Alltag schon KI-Produkte nutzen, wollen wir ein weiteres Feld betrachten, in dem wir mit KI konfrontiert werden: die Medien.

Regelmäßig werden wir in der Presse, im Fernsehen und im Internet von Berichten überrascht, dass die Künstliche Intelligenz schon wieder irgendetwas besser kann als wir Menschen:

– Selbstfahrende Autos machen (statistisch) weniger Fehler als Menschen und sollen dazu beitragen, die Zahl der Verkehrstoten zu reduzieren.

– Selbstlernende Maschinen können besser Schach, Poker oder Go spielen als die besten menschlichen Spieler; sogar Games können sie besser zocken als wir.

– KI-Bilderkennung kann Anzeichen von Krankheiten, z.B. Krebs, besser in Röntgenbildern erkennen als die besten menschlichen Experten.

Dadurch entsteht der Eindruck, dass es nur noch eine Frage der Zeit sei, bis KI so ziemlich ALLES besser kann als der Mensch.

Auf der anderen Seite gibt es auch immer wieder Nachrichten über Fehler, die die KI macht:

– Ein selbstfahrendes Auto überfährt eine Frau, die mit einem Fahrrad auf der Fahrbahn herumläuft.
Lies die Geschichte hier: Selbstfahrendes Auto (welt.de)

– Ein Chat-Bot, der angeblich durch den Dialog mit menschlichen Nutzern immer schlauer werden soll, wird am Ende zu einem Nazi, der durch rassistische Äußerungen auffällt und abgeschaltet werden muss.(https://www.zeit.de/digital/internet/2016-03/microsoft-tay-chatbot-twitter-rassistisch)

– Ein KI-Expertensystem auf der Basis von IBM Watson schlägt Krebspatienten lebensgefährliche Therapien vor. Auch dieses System muss wegen Gefährdung der Patienten abgeschaltet werden. (https://t3n.de/news/ibm-watson-krebs-behandlung-1097757/)

Hast du auch schon einmal etwas über positive und negative Beispiele von KI gelesen oder gehört? (Dann notiere sie hier und diskutiere das mit den anderen Kursteilnehmern.)

 

Was sollen wir nun glauben? Sind die Erfolge der erstgenannten Beispiele übertrieben und nur Werbepropaganda von hochbezahlten Forschern und KI-Firmen? Und sind die zuletzt genannten Probleme der Künstlichen Intelligenz nur momentane Unzulänglichkeiten, die man leicht ausbügeln kann? Oder zeigen diese Fehler vielleicht eine generelle Grenze für die Intelligenz auf, die Maschinen niemals überwinden können, da sie nicht über sich selbst nachdenken können wie wir Menschen? Immerhin waren die Menschen bei den kritischen Fällen noch in der Lage, den Stecker zu ziehen, um Schlimmeres zu verhindern. Die praktischen kleinen Helferlein im Alltag und die Visionen von einer durch Super-KI beherrschten Menschheit deuten auf zwei Bereiche der KI hin.

Die Schwache KI: Das sind Techniken, die klar umrissene Aufgaben aus der Arbeitswelt oder dem Alltag besser, schneller und günstiger erledigen helfen. Wir können sie auch als praktische KI bezeichnen.

Die Starke KI: Sie geht davon aus, dass, wenn sich die Fähigkeiten von Maschinen durch Lernen immer weiter entwickeln, eines Tages der Punkt erreicht wird, an dem Maschinen wie Menschen ein Selbstbewusstsein erlangen und sagen: „Ich denke, also bin ich! Ab heute mach ich mein eigenes Ding.“ Diesen Punkt nennt man auch die Singularität.

Erklärung: „Populär wurde der Begriff durch das 2005 erschienene Buch ‚The Singularity Is Near: When Humans Transcend Biology‘ (deutscher Titel: ‚Menschheit 2.0: Die Singularität naht‘) des US-amerikanischen Computerpioniers und Autors Raymond Kurzweil, der das Datum der Singularität auf das Jahr 2045 schätzt.“ (Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Technologische_Singularität)

Einige KI-Experten behaupten sogar, dass die Maschinen prinzipiell unendlich weiterlernen können und damit zu Superintelligenzen werden, die alles menschliche Denken übersteigen. Das Hinausgehen über die Beschränkungen unseres biologischen Lebens wird auch als Transhumanismus bezeichnet (von lat. trans – über, hinaus, und Humanismus – den Menschen betreffend). Diese Form der KI können wir auch als generelle KI (engl. Artificial General Intelligence) oder visionäre KI bezeichnen. (https://de.wikipedia.org/wiki/Transhumanismus)

Wir müssen darauf achten, diese beiden Bereiche auseinanderzuhalten. Das eine ist Technik, die heute schon im Einsatz ist, das andere ist eine Vision, die momentan nur in der Fiktion besteht. Einige KI-Forscher nutzen die Begeisterung, aber auch das Unbehagen, das uns erfasst, wenn wir eine menschenähnliche Maschine sehen, um uns zu verunsichern und glauben zu machen, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis die ersten Maschinen wie Menschen denken und handeln werden.

Wir wollen uns in diesem Kurs hauptsächlich mit den praktischen Anwendungen von KI im Alltag beschäftigen. Aber wir reservieren ein Kapitel am Ende, um zu überlegen, was passieren kann, wenn die KI unkontrolliert in immer weitere Bereiche unseres Lebens eindringt.

Um uns besser durch die Vielfalt der praktischen KI zu navigieren, ist es hilfreich, einen Überblick zu bekommen, welche prinzipiellen KI-Techniken es gibt und was sie zu leisten vermögen. Dadurch können wir auch die Grenzen der KI sowie problematische Aspekte besser einordnen. Wir wollen dabei in den folgenden Kapiteln drei Bereiche betrachten:

1. Technik – Wir versuchen zu verstehen, wie die wichtigsten KI-Techniken funktionieren, um selber einschätzen zu können, was diese wirklich können und wo die Grenzen liegen.

2. Wirtschaft – Ein wichtiger Grund, warum KI in den letzten Jahren so viel Aufmerksamkeit und Gelder erhält, liegt in ihrer wirtschaftlichen Bedeutung. Wenn Arbeiten durch KI schneller, besser und billiger erledigt werden können, dann hat das Auswirkungen auf alle Bereiche von Wirtschaft und Gesellschaft.

3. Individuum und Gesellschaft – Wenn, wie unter Punkt 2 beschrieben, Arbeiten durch KI schneller, billiger und besser erledigt werden können als durch Menschen, dann hat das nicht nur Auswirkungen auf die Anzahl und Qualität der Arbeitsplätze, sondern auch auf das Selbstverständnis von uns als Menschen. Worin bestünden unsere Aufgabe und unser Lebenssinn, wenn Maschinen eines Tages wirklich alles besser können als Menschen? Aber auch heute schon stellen sich viel Fragen, was mit uns als Individuum oder in unserer Gesellschaft passiert, wenn wir Entscheidungen, die Menschen betreffen, auf Maschinen übertragen.

Unsere Vorgehensweise ist dabei die folgende:
Im nächsten Abschnitt wollen wir zunächst die wichtigsten Grundbegriffe der KI kennenlernen, damit wir mitreden können, wenn es um Begriffe wie Daten, Algorithmen, KI-Modelle und Maschinelles Lernen geht.

Danach schauen wir uns neun wichtige KI-Bereiche (Kapitel 4 – 12) anhand von anschaulichen Beispielen an und versuchen zu ergründen, wie diese funktionieren.

Zum Schluss (Kapitel 13) wollen wir noch einmal neu darüber nachdenken, wie die KI-Zukunft aussehen könnte. Werden die Maschinen dem Menschen zukünftig eher nützen oder schaden?
Weiterführende Informationen:

Links zum Inhalt:

Selbstfahrende Autos machen weniger Unfälle: https://www.welt.de/sonderthemen/noahberlin/article165739463/An-den-meisten-Unfaellen-sind-Menschen-schuld.html

Computer spielt besser Schach und Go als ein Mensch: https://www.welt.de/wissenschaft/article185109198/Vergesst-AlphaGo-der-neue-Held-heisst-AlphaZero.html

KI erkennt Hautkrebs besser als Arzt: https://www.handelsblatt.com/technik/vernetzt/medizin-kuenstliche-intelligenz-erkennt-hautkrebs-besser-als-hautaerzte/24209424.html?ticket=ST-17971060-Bx6rdmLROid0TLAblpfd-ap6

Auto überfährt Frau: https://www.welt.de/wirtschaft/article203121966/Autonomes-Fahren-0-2-Sekunden-vor-dem-toedlichen-Aufprall-reagierte-das-Uber-Auto.html)

Chatbot wird zum Nazi: https://www.zeit.de/digital/internet/2016-03/microsoft-tay-chatbot-twitter-rassistisch

AI schadet Patienten: https://t3n.de/news/ibm-watson-krebs-behandlung-1097757/

Video über Generelle KI

Weiterführendes Video: 

Nick Bostrom TED Talk über Superintelligenz (englisch)