ERKENNEN: Gleichstellung von LSBTIQ*

In den letzten Jahrzehnten hat sich in Sachen Gleichstellung von LSBTI*Q-Personen einiges getan. Seit 1980 hat sich in Deutschland die rechtliche Situation von LSBTI*Q deutlich verbessert. Dennoch kommt der Abbau rechtlicher Ungleichbehandlungen und Sonderbehandlungen, die sich negativ auf die Lebenssituation von LSBTI*Q auswirken, nur langsam voran. Hier einige ausgewählte Schritte auf dem Weg zur rechtlichen Gleichstellung von LSBTI*Q.

1980

Das Transsexuellengesetz wird eingeführt. Es beinhaltet u.a. eine Sterilisierung von trans* Personen.

Durch die Einführung des Transsexuellengesetzes wurde eine Änderung des Vornamens und des Geschlechtseintrags im Pass möglich gemacht – jedoch nur unter bestimmten Bedingungen: Die Person musste über 25 Jahre alt sein und ehelos bleiben. Außerdem beinhaltete das Transsexuellengesetz (TSG) eine verpflichtende Geschlechtsangleichung der Genitalien und eine Sterilisierung (Unfurchtbarkeit) von trans* Personen.

1990

Die Weltgesundheitsorganisation streicht Homosexualität von der Liste der Krankheiten.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) führt eine Liste mit allen bekannten Krankheiten. Auf der Liste fand sich bis 1990 auch Homosexualität. Erst am 17. Mai 1990 erklärte die Generalversammlung der WHO erstmals, dass Homosexualität keine Krankheit, Störung oder Perversion sei. Seit 2005 erinnert der 17. Mai als ‘Internationaler Tag gegen Homophobie, Transphobie und Biphobie’ (IDAHOT) an dieses Ereignis. Trans* Identität wird jedoch von der WHO weiterhin als psychische Störung eingestuft

1994

Der Paragraph 175, der Homosexualität unter Strafe stellt, wird ganz aus dem Strafgesetzbuch gestrichen.

Der § 175 des Strafgesetzbuches galt von 1872 bis 1994 in verschiedenen Fassungen. Er stellte sexuelle Handlungen zwischen Personen männlichen Geschlechts als “widernatürliche Handlungen” unter Strafe. Insgesamt wurden etwa 140.000 Männer nach den verschiedenen Fassungen des § 175 verurteilt. Zur Zeit des Nationalsozialismus wurden männliche Homosexuelle in Konzentrationslagern interniert und ermordert.

2001

Das Lebenspartnerschaftsgesetz wird eingeführt.

Mit dem Lebenspartnerschaftsgesetz erhalten gleichgeschlechtliche Paare das Recht sich zu verpartnern. In den folgenden Jahren wurde die Benachteiligung bei Erbschaften, im Steuersystem (s. Ehegattensplitting) oder beim Adoptionsrecht (s. Sukzessivadoption und Stiefkindadoption) beseitigt.

2005

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz verbietet Diskriminierung aufgrund der sexuellen Identität im Arbeitsleben.

Im Jahr 2005 tritt das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz in Kraft. Es verbietet die Benachteiligung von Menschen aufgrund ihrer sexuellen Identität, das heißt ihrer sexuelle Orientierung und ihrer Geschlechtsidentität (u.a. trans* und inter*).

2011

Verpflichtungen zur Geschlechtsumwandlung und zur Sterilisation werden aus dem TSG gestrichen.

Das Bundesverfassungsgericht urteilt am 11. Januar 2011, dass die Forderung trans* Personen müssten sich einer Geschlechtsangleichung unterziehen sowie sich sterilisieren lassen, um sich verpartnern zu können, nicht mit dem Grundgesetz vereinbar ist.

2015

Die Ehe wird für gleichgeschlechtliche Paare geöffnet.

Am 30. Juni 2017 stimmt der Bundestag mit einer Mehrheit von 63,1 Prozent für die gleichgeschlechtliche Ehe. Am 7. Juli stimmt der Bundestag schließlich dem entsprechenden Gesetzesentwurf zu.

2018

Divers wird als dritter positiver Geschlechtseintrag anerkannt.

Ausgehend vom Beschluss des Bundesverfassungsgerichtes vom 10. Oktober 2017 wurde zum 18. Dezember 2018 das Personenstandsgesetz geändert. Es bestehen nun vier Optionen zur Erfassung des Geschlechts im Geburtenregister: männlich, weiblich, divers, keine Eintragung.

Auf zum nächsten Lernstrang!

Mit dieser Lektion endet der Lernstrang “Erkennen”. Du hast einiges über die vergangene und bis heute bestehende Ungleichbehandlung aufgrund des Geschlechts oder der sexuellen Orientierung gelernt. Im nächsten Lernstrang “Verstehen” lernst du Konzepte der Geschlechterforschung kennen, die dir helfen zu analysieren und zu verstehen, wie Geschlechterungleichheiten entstehen und warum sie häufig reproduziert werden.