Ableismus

Sprache

Was ist dis/abilisierende Sprache?

Dis/abilisierende Sprache meint eine Sprache, die Menschen an bestimmten Fähigkeiten misst. Dis/abilisierende Sprache stellt Menschen somit als vermeintlich „normal“ und „nicht-normal“ dar.

Zuschreibungen, wie z.B. „Pflegefall“, „Liliputaner:in“ und „Taubstumme:r“ reduzieren Personen auf ihre Beeinträchtigung. Diese Bezeichnungen sind zudem oftmals inhaltlich falsch. Hier wird dann meist die Beeinträchtigung, unter der die betreffende Person mutmaßlich „leidet“, zum Fokus einer Erzählung. Häufig wird hervorgehoben, wie eine Person „trotz der Beeinträchtigung“ ihr Leben meistert. Zudem wird in Berichten und Beiträgen über Behinderung und Inklusion häufig über Menschen mit Behinderung gesprochen, jedoch selten nicht mit ihnen.
Durch dieses Sprechen beurteilen und bewerten vor allem nicht betroffene Personen das Leben von Menschen mit Behinderung und reduzieren dieses auf die Beeinträchtigung.

In diesem Video von Sozialhelden e.V. erklärt Benedikt S. Gerardo, vom Gebärdensprachenservice „Yomma“ Begriffe zum Thema Behinderung. Das Video ist in deutscher Gebärdensprache. Auch wenn du keine Gebärdensprache sprichst, lasse dich einmal darauf ein, dennoch das Video abzuspielen. Schaffst du es das ganze Video anzusehen? Was macht das mit dir? Wie fühlt es sich an etwas nicht zu verstehen?

Und wie spreche ich?

Mensch mit Behinderung

Wichtig ist es Menschen mit Behinderungen  als Menschen zu bezeichnen und nicht über sie als „Behinderte“ zu reden. Der Ausdruck „Behinderte“ reduziert diese Menschen sonst auf ein einziges Merkmal ihrer Person und stellt dies als defizitär in den Vordergrund.

Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung /
Menschen mit Lernschwierigkeiten

Statt von geistig behinderten Menschen zu reden, sollte die Formulierung Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen oder Lernschwierigkeiten verwendet werden.

Taube / gehörlose Menschen

Taube Menschen werden oft als taubstumm bezeichnet, obwohl sie nicht stumm sind. Sie können in der Gebärdensprache sprechen und/oder in Lautsprache.

Ob der Begriff gehörlose oder Taube Menschen bevorzugt wird, hängt von der jeweiligen Person ab. Am besten nachfragen, wie eine Person oder Community bezeichnet werden möchte.

Viele in der Community benutzen den Begriff Taub verstärkt um auszudrücken, dass sie Taubheit nicht als Defizit sehen. Gehör-los verweist für sie hingegen sprachlich auf einen Mangel.

 

Tipps:
Diskriminierungs-
arme Formulierungen in Bezug auf Ableismus

In dieser Checkliste findest du Verbesserungsvorschläge zu gängigen, aber problematischen Ausdrücken. Klicke auf das Downloadsymbol, um die Formulierungshilfen aufzurufen.
Auch die Leidmedien haben Formulierungshilfen bereitgestellt. 

Warum ist ein sensibler
Sprachgebrauch wichtig?

Hinweis: In dem Video werden dis/abilisierende Formulierungen aus Medien über Menschen mit Behinderungen neben illustrierenden Bildern eingeblendet und reproduziert. Wenn dis/abilisiernde Bilder und Texte dich verletzten, schaue dir das Video nicht an.

Judyta Smykowski ist Redakteurin bei leidmedien.de. Leidmedien.de informieren Medienschaffende und Redaktionen (z.B. durch Workshops) zum Thema Behinderung und Medien, um Berührungsängste gegenüber Menschen mit Behinderungen abzubauen. Leidmedien.de betreiben Medienkritik und empfehlen unter anderem Formulierungsalternativen zum Thema Behinderungen. Judyta Smykowski weist in dem Interview auf die Verantwortung der Medien in der Berichterstattung zum Thema Behinderungen hin und plädiert für eine Sensibilisierung in den Begrifflichkeiten. Zudem formuliert Judyta Smykowski, dass Inklusion tatsächlich die ganze Gesellschaft betrifft.

Achte beim beim Sprechen und Schreiben auf Folgendes:

Barrierearme Mediengestaltung

Menschen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen wird der Zugang zu Informationen oft erschwert oder unmöglich gemacht. Nur selten sind Videos für gehörlose Personen mit Untertiteln versehen oder Webseiten für Menschen mit einer Sehbeeinträchtigung mithilfe eines Screenreaders erfassbar.

Barrierearme Mediengestaltung ermöglicht Menschen, die z.B. mit einer Beeinträchtigung des Sehvermögens leben oder eine kognitive Beeinträchtigung haben, Zugang zu Informationen zu bekommen. Barrierearme Mediengestaltung ermöglicht somit gesellschaftliche Teilhabe.

 

Welche Elemente, z.B. auf einer Webseite, eine Barriere darstellen, hängt ganz von der Beeinträchtigung ab, mit welcher ein:e Nutzer:in lebt. So können Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen keine Maus verwenden, beispielsweise auf sprachegesteuerte oder andere technische Möglichkeiten zurückgreifen, um Inhalte einer Webseite ansteuern zu können. Eine andere Person kann möglicherweise kleine Text- und Gestaltungselemente nicht erkennen, hat mit dem Lesen von Texten in einer größeren Schrift jedoch überhaupt keine Probleme. 

 

Alle möglichen und vielfältigen Barrieren bei der Mediengestaltung mitzudenken ist eine große Herausforderung. Wir sprechen daher von barrierearmer statt barrierefreier Gestaltung, denn Barrierefreiheit in Medien komplett umzusetzen ist schwierig.

 

 

 

Wie kann ich eine Website, einen Text
oder ein Bild barrierearm gestalten?

Damit die aufgerufene Website von einem Screenreader vorgelesen werden kann, muss der HTML-Code logisch aufgebaut sein. Du solltest Überschriften, Listen und Absätzen mit den entsprechenden Tags versehen. Bilder und Grafiken sollten Alternativtexte (Bildbeschreibungen) enthalten.

Die Schriftart sollte gut leserlich sein. Humanistisch serifenlose Schriften werden für Lesende mit Sehbehinderung empfohlen. Es eignen sich z.B. Calibri, Lucida Sans, Verdana, Noto Sans Regular, Open Sans Regular, Frutiger 55 Roman, Neue Frutiger 1450, TheSans Regular. 

Schrift und Abstände sollten ausreichend groß und die Schriftfarbe ausreichend kontrastreich sein. Da es bei der Schriftgröße Parameter wie die Textart, den Betrachtungsabstand und die individuelle Sehschärfe zu beachten gibt (Visus), ist es schwierig einen Wert zu nennen. Hier findest du einen Schriftgrößenrechner für deine konkrete Anwendung. Texte lassen sich am Besten in gemischter Groß-und Kleinschreibung lesen, VERSALSCHREIBUNG ist zu vermeiden. Hervorhebungen sparsam einsetzten, durch (halb-)fette und kursive Schriften. Zeilenabstand sollte mindestens 120% der Schriftgröße sein. Zeilenlänge sollte zwischen 35 und 80 Zeichen liegen, je nach Textart (inkl. Leerzeichen). Linksbündiger Flattersatz ist zu empfehlen. Wörter sollten sinnvoll getrennt werden. Deutliche Abstände zum Rand und zwischen Text und Bild einhalten (min. 6mm).

Die Inhalte einer Webseite sollte mithilfe einer Zoomfunktion in der Größe veränderbar sein.

Zwischen Text und Hintergrund sollte es einen deutlichen Kontrast geben. Hier findest du einen Kontrastrechner. Bei schwarzer Schrift auf weißem Hintergrund (oder umgekehrt) ist der Kontrast optimal. Text sollte nicht über Bilder oder Farbverläufe gesetzt werden. Grundsätzlich gilt: Farben sollten sparsam eingesetzt werden und sich klar voneinander abgrenzen. Zusätzlich zur Farbe sollte immer ein weiteres Unterscheidungsmerkmal verwendet werden. Rot-Grün-Kombinationen und Komplementär-Kontraste sind zu vermeiden.

Es sollte auf eine direkte Sprache geachtet und auf Fremdworte verzichtet werden. Alternativ kann die Funktion angeboten werden, die Webseite in Leichter Sprache darzustellen oder ein Glossar erstellt werden. Kurze Sätze sind einfacher zu lesen als lange Sätze. 

Die Bilder/ Icons/ Grafiken sollten ruhige Hintergründe, gut erkennbare Motive und deutliche Kontraste haben. Bei Icons sollten die Fläche und nicht die Umrisse hervorgehoben werden.  

Alles Gesagte, aber auch alle wichtigen Handlungen/Töne in einem Video sollten Inhalt der Untertitelung von Videos sein. Zusätzlich kann ein Transkript zur Verfügung gestellt werden, sodass sich Personen Zeit für die Erfassung der Inhalte nehmen können.

Der gesprochene Inhalt kann durch eine verbale Beschreibung relevanter sichtbarer Inhalte eines Videos ergänzt werden.

Glänzende Oberflächen sind zu vermeiden. Papiere mit ausreichender Lichtundurchlässigkeit (Opazität) sollten verwendet werden. Nicht hoch-weißes, aber gebrochen weißes Papier mit wenig Grauanteil eignet sich gut.

Universal Design

Barrierearme Gestaltung bedarf oft Anpassungen oder Spezialisierung bestimmter Bereiche. Das Universal Design (UD) ist ein Konzept, das genau auf dieses Problem eingeht. Ziel von Universal Design ist die Schaffung von Systemen, Geräten und Bedienungsoberflächen, die ohne jegliche Intervention zugänglich und bedienbar für alle sind. UD ist ein Konzept, dass Barrieren von vornhinein gar nicht erst schafft. Mehr dazu findest du, wenn du auf den Button klickst.

Universal Design

In dem Text steht, dass die Open Source-Schrift Dyslexic speziell für legasthene Menschen entwickelt wurde. Besonders ist bei der Schrift z.B. dass das "b" und das "d" nicht so leicht zu verwechseln sind.

Hier kannst du die Schrift herunterladen: 

https://opendyslexic.org/

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Weiter zu Bild und Ton: 

Normvorstellungen zu Behinderung und Nicht-Behinderung werden in Filmen reproduziert: Finde heraus, wie du diskriminierungssensibel Bilder und Tonaufnahmen produzieren kannst.