Rassismus

Bild und Ton

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Rassismus wird im Alltag häufig durch Erfahrung von Sichtbarkeit, Blicken und dem Angesehenwerden gelebt und erlebt. Meist war und ist das Recht zu Schauen Ausdruck von weißen Privilegien. Die Weißen schauten und blieben dabei selbst unsichtbar, während BIPoCs als Objekte des Blicks fixiert wurden. Die Fotografie und der Reisefilm wurden instrumentalisiert, um Rassismus zu legitimieren und „zu beweisen“. Fotografie und später der Reisefilm waren DIE Medien, die rassistische Narrative festigten und verbreiteten. Die Auswirkungen von rassistischen Sehgewohnheiten, Perspektiven und technischen Normen sind noch heute sehr präsent in der Art und Weise, wie Menschen of Color und Schwarze Menschen dargestellt werden. Die Blickverhältnisse und Bilder sind nicht neutral, sondern von Machtstrukturen und Narrativen durchzogen. Stereotypen können über Bilder vermittelt und rassistische Vorurteile „spontan“ und unmittelbar reproduziert und „verstanden“ werden. Daher ist eine Auseinandersetzung und Aufschlüsselung rassistischer Bildwelten umso wichtiger.

 

Nach: Tobias Nagl, Fantasien in Schwarzweiß – Schwarze Deutsche, deutsches Kino | bpb (10.08.2004)

Rassismussensible Bilder

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Lizenz: CC BY-ND Namensnennung, keine Bearbeitung; Video von: Team Diversify! für Diversify! Webseite für diversitätsbewusste Mediengestaltung

Videoaufnahme: August 2018

„Islamthemen werden sehr oft mit einer Frau mit dem Kopftuch bebildert, die von hinten fotografiert wird. Diese Art von Foto schafft Distanz. Diese Art von Foto, dieses Anonyme von weitem sagt aus: „Sie gehört nicht zu uns – mit der wollen wir nichts zu tun haben“ sagt Joanna Maria Stolarek.

Joanna Maria Stolarek ist Büroleitung bei der Heinrich-Böll-Stiftung Warschau und hat bei den Neuen Deutschen Medienmacher:innen gearbeitet. In diesem Interview spricht sie über die Reproduktion von Rassismus in der Bildsprache und gibt ein Beispiel, wie es anders gehen könnte.

Fotografieren
"abschießen" und "einfangen"

„Abschießen“ und „Einfangen“ sind Synonyme für „Fotografieren“. Die koloniale Fotografie und der sogenannte Reisefilm wurden instrumentalisiert und haben stark dazu beigetragen rassistische Theorien zu legitimieren. Erfahre im Folgenden mehr zur Geschichte von Blicken in visuellen Medien. 

 
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Fotografie wurde in der Kolonialzeit als Medium der Gewalt genutzt. Fotos wurden „geschossen“ um vermeintliche „Rassetheorien“ zu bestätigen und zu beweisen. Fotografie war „das Medium“, um Wissen über vermeintlich „Andere“ zu konstruieren und zu verbreiten. Fotos von Menschen aus kolonialisierten Ländern dienten auch Vorlagen für die „Völkerschauen“. In „Völkerschauen“ wurden BIPOC in Europa inszeniert und ausgestellt. Somit konnten Sichtweisen und Blicke weißer Europäer:innen auf „Andere“ bestätigt und Gewalt legimitiert werden

Auch amateurhafte Expeditions- und Reisefilme von Tourist:innen in Kolonien dienten als Beweise einer vermeintlichen „Andersartigkeit“ von u.a. Schwarzen Menschen und indigenen Menschen. Durch Exotisierung und positiv besetze Assoziationsketten wie „Reiselust, Sehnsucht und Träumerei“ im Zusammenhang mit den Filmen wurden Bilder „der Anderen“ erfunden. 

Im Deutschen Film ab 1920 wurden Schwarze Menschen engagiert, um in stereotypen Rollen dieses Bild der „Andersartigkeit“ in Filmen zu verkörpern und abermals darzustellen. Da Schwarze Komparsen in Deutschland vergleichsweise rar waren, stellte die Schauspielerei für Schwarze Menschen und Menschen of Color eine finanziell erträgliche Einkommensquelle dar. 

Nach: Tobias Nagl, bpb, 2004 

Weiße Menschen werden häufig nicht gesehen. Sie gelten als Norm. Ebenso scheint der weiße Blick allgemeingültig und normal zu sein. Das Fotografieren oder Filmen aus weißer Perspektive ist also ein Blick aus dem „nirgendwo“, aus einer unbestimmbaren Perspektive. So lässt sich gesellschaftliche Macht ausüben und Gesellschaftskontrolle ausleben. Natasha A. Kelly beschreibt dies als Ent_Sehen.

Nach: Natasha A. Kelly, Afrokultur, 2018, S.118 f.

Der (nicht) direkte Blick in die Kamera trägt eine Geschichte der Unterdrückung. Versklavte Menschen mussten stets auf den Boden schauen, wenn Sie ihrem:ihrer „Halter:in“ begegneten. Der direkte Blick war Versklavten untersagt. Damit konnte im Kolonialismus eine visuelle Wissens- und Gesellschaftsordnung hergestellt und Schwarze Menschen visuell markiert werden. Natasha A. Kelly benennt dies mit „Ent_Visualisieren“. Der direkte Blick von BIPoCs in die Kamera wird auch heute oft nicht abgebildet und scheint inexistent. Der »Counter Gaze«, das Zurückschauen direkt in die Kamera, kann also als Widerstandshandlung verstanden werden.

 

Quelle: Natasha A. Kelly, Afrokultur, 2018, S. 105, S. 122

Fremdwahrnehmungen und Blicke anderer Menschen auf sich Selbst erschweren einen gesunden Blick auf sich selbst zu formen. Wird ein Mensch ständig durch die Blicke von anderen Menschen definiert, ist es eine Herausforderung eine selbstbewusste Wahrnehmung zum eigenen Ich und dem eigenen Aussehen zu entwickeln.

Wie weiß ist die Geschichte
des Farbfilms?

Repräsentation auf der (Kino-)Leinwand ist ein Thema, das viele Gemüter bewegt – nicht zuletzt seit den Skandalen um #OscarsSoWhite. Wie divers sind die Bilder, die wir in Hollywood-Produktionen sehen? Es hagelt Kritik und Forderungen, Filme thematisch und durch Casts zu diversifizieren.

Dabei wird selten die ästhetische Dimension adressiert: Wie werden BIPoC auf der Leinwand gezeigt?

Die entsprechende Ausleuchtung nicht-weißer Schauspieler:innen ist ein Defizit seit den Anfängen des westlichen Kinos. Aschfahle oder sehr schattige Gesichter waren (und sind teilweise noch) die Folge fehlender Kenntnisse der Filmemachenden.

Unter anderem durch schlechte Ausleuchtung,  wird unsere Wahrnehmung von Schwarzen Charakteren und Charakteren of Color limitiert. Viele Serien, wie „Der Prinz von Bel-Air“, wurden insgesamt sehr hell geschossen.

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Die Shirley-Card als Norm

Dieses Video ist auf Englisch mit englischen Untertiteln. Viele Informationen aus dem Video sind im folgenden Text enthalten.

Rassismus wurde quasi in die Film- und Fototechnik eingebaut. Bis in die 1990er Jahre orientierten sich Fotograf:innen und professionelle Farbfilm- und Fotoentwickler:innen an den „universalen“ Shirley-Cards. Die erste dieser Karten zeigt ein Portrait einer weißen Frau namens Shirley mit einer Farbscala am Bildrand. Diese Karten sollten den dazu dienen, Portraits „richtig“ zu belichten und die „richtige“ Zusammensetzung an Chemikalien für die Fotoentwicklung zu verwenden. Allerdings waren alle sogenannten Shirleys weiße Frauen mit blasser Haut. Ein Grund dafür war, dass sich der Fotografie-Markt an den Bedürfnissen weißer Menschen aus dem Mittelstand ausrichtete. Es führte dazu, dass dunklere Hauttöne nicht differenziert dargestellt werden konnten. 

In den 1970er Jahren veränderte sich die Situation. Allerdings nicht aufgrund von einem Bewusstsein für rassistische Diskriminierung. Auch nicht, weil die Proteste und Kritik diskriminierter Menschen durch die Fototechnik wahrgenommen und ernstgenommen worden sind. Sondern: Möbelhäuser standen vor dem Problem, dass der Kodak-Film helle und dunkle Holzmaserung nicht ausreichend abbildete – ebenso erging es Schokoladenproduzierenden: Dunkle Schokolade und Milchschokolade sahen fast identisch aus. Erst in den 1990er Jahren ermöglichte es ein neues Kamerasystem von Philips eine korrektere Darstellung dunklerer Hauttöne. Zwei unterschiedliche Computerchips erlaubten es hellere und dunklere Töne separat auszubalancieren. Zu dieser Zeit wurden die Shirley Cards um eine Schwarze und eine Latina Shirley Card erweitert. 

 

Auch Polaroid hatte seine Kameras an der weißen Norm ausgerichtet. In dem Apartheid-Regime in Südafrika wurde daher ein extra Boost-Blitz eingesetzt, um Schwarze Menschen gut erkennbar fotografieren zu können. Diese Fotos wurden von dem Regime für Pässe benutzt, um die Schwarze Bevölkerung rassistisch abzuwerten und zu kontrollieren (hier mehr dazu).

Und heute?

Heute lässt sich dieser technische Fehler aufgrund einer exklusiv weißen Norm noch z.B. bei Fotos aus Passfotoautomaten sehen. Auch diese können dunkle Tonwerte nicht adäquat wiedergeben. Und bis heute unterscheiden Digitalkameras primär nach Helligkeit. So gab es im Jahr 2009 einen Skandal, weil Webcams nicht in der Lage waren, Schwarze Menschen zu erkennen. 2015 kritisierte die Professor:in und Autor:in Morgan Jerkins, dass Instagram-Filter Schwarze Menschen aussehen ließen, als hätten sie sich ihre Haut gebleicht. Und auch in Computerspielen wird die Haut und die Haare Schwarzer Personen unterkomplex dargestellt, denn die sogenannten Shader sind für weiße Personen optimiert. Mehr Informationen zur Schnittstelle von Medientechnik und Diskriminierung, Blicken und gewohnten Ästhetiken findest du unter Strategien- Sensibilisierung – Visuelles.

Wie kann ich rassismuskritisch fotografieren?

Diese Checkliste unterstützt beim rassismuskritischen Fotografieren und ermöglicht ein kritisches Hinterfragen der eigenen fotografischen Tätigkeit.

Wie kann dunkle Hauttöne rassismussensibel abbilden?

Fotograf:innen und Filmende finden hier technische Tipps, die helfen können dunkle Hauttöne nuanciert abzubilden. 

Stereotype rassistische Frauenbilder:
Von Sassy Black Woman bis zarte Lotusblüte

Sobald es um die intersektionale Verschränkungen geht, sind die gängigen Darstellungen von Frauen noch problematischerSchwarze Frauen werden im Film oft als keck dargestellt (Englisch: Sassy Black Woman). Sie sollen z.B. mit ihrer „frechen Art“ die Zuschauer:innen zum Lachen bringen. Südostasiatische Frauen werden oft als „zarte Lotosblüten“,  dargestellt, die ausschließlich dem Mann gefallen und dienen wollen. Dies sind nur zwei Beispiele vieler stereotype Bilder von Frauen of Color. 

Doch auch in anderen Bereichen, wie der Politik oder der Öffentlichkeitsarbeit, sollten wir uns bewusst machen, wie Frauen of Color gezeigt werden und sich zeigen müssen. Chimamanda Ngozie Adichie (Schriftstellerin) sagt – in großer Anerkennung an Michelle Obama – in einem Interview„Hätte Michelle Obama ihr Haar natürlich getragen (z.B. als Afro, als Dreads oder Cornrows) wäre ihr Mann Barack Obama nicht Präsident geworden“. Es sei traurig, aber wahr. Die geglätteten Haare Michelle Obamas und ihrer Töchter entsprechen einem bestimmten Bild Schwarzer Frauen, dass visuell „akzeptiert“ und „respektiert“ ist (mehr dazu im Dokumentarfilm „Good Hair“ von Chris Rock“). Hätte Michelle Obama ihre Haare natürlich getragen, wäre sie als „militant“ „radikal“ oder ähnliches abgewertet worden. An diesem Beispiel wird (traurig) deutlich: Entspricht oder nähert sich eine Frau in ihrem Aussehen dem (durch die Medien konstruierten) Normkörper an hat sie mehr Chancen in der Gesellschaft.

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Schwarze Filmgeschichte​

Obwohl ein Großteil der prestigeprächtigen Filmindustrie von weißen Filmschaffenden dominiert war und noch ist, gibt es eine umfangreiche Geschichte des Schwarzen Films. Im Internet und Archiven finden sich jedoch wesentlich mehr Infos über das „weiße, westliche“ Kino. Das (systematische) Unsichtbarmachen vielfältiger Schwarzer Perspektiven im Filmbereich ist kein Zufall ist, sondern Ausdruck von Machtverhältnissen. Mit der folgenden Rechercheaufgabe kannst du mehr über den Reichtum und die Vielfalt an Filmen und Filmgeschichte von BIPoCs erfahren.

Die Recherche mache ich lieber
in Ruhe heute Abend

Übung: Recherchieren,
Wissen generieren und Sichtbarmachen

Hier findest du zwei umfangreiche Linklisten, die Recherche kann dir Einblicke in die „westliche“ Schwarzen Filmgeschichte und Einblicke in die „nicht-westliche“ Schwarze Filmgeschichte geben. Viele der Artikel, Videos, Kurzfilme und Dokus sind englischsprachig

Klicke auf den Titel und du kommst zu externen Internetseiten. So kannst du deine eigenen Wissenslücken füllen, dich informieren, einen Filmabend mal anders gestalten oder dein generiertes Wissen weitergeben.

Einblicke in "nicht-westliche" Schwarze Filmgeschichte

Einblicke in "westliche" Schwarze Filmgeschichte

Schwarze Filmgeschichte
in Deutschland?

PoC und Schwarze Deutsche sind bis heute in der zeitgenössischen deutschen TV- und Kinolandschaft kaum sichtbar. Die Geschichte der Abbildung Schwarzer Körper in deutschen Filmproduktionen ist überaus diskriminierend und gewaltvoll. Mehr dazu ist in dem Artikel von Thomas Nagl nachzulesen. 

Übung: Analyse Tatort

Im Jahr 2018 schaffte es der Tatort erstmals, eine Schwarze Ermittlerin zu casten – Florence Kasumba. Sie ermittelt als Anaïs Schmitz an der Seite von Charlotte Lindholm, gespielt von Maria Furtwängler. Schau dir das Extra zu der Folge „Das verschwundene Kind“ an. 

Analysiere, wie Rassismus innerhalb des Videos deutlich wird. Achte auf rassistische Logiken und scheinbaren Gegensätzen von weißen und nicht-weißen Menschen. Notiere dir ein paar signifikante Zeitpunkte und schaue dir dann unsere Analysepunkte an und vergleiche sie mit deiner.

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Übung: Analyse Tatort

00:00:23 – Die Kommissarin Lindholm wertet durch die Frage: „Sie wollen doch hier jetzt nicht putzen?“ die Kommissarin Schmitz ab. Der Beruf der Putzkraft ist gesellschaftlich negativ konnotiert und stereotypisch ein Beruf nicht-weißer Frauen.

00:00:48 – Die Kommissarin Lindholm hat die Macht über die Begegnung mit der Kommissarin Schmitz und entscheidet allein über die Form der Interaktion. Außerdem wird ihre Dominanz als weiße Frau in diesem Abschnitt sehr deutlich.

00:00:49 – Die Kommissarin Schmitz gibt ihrer Kollegin Lindholm nicht die Hand, da „sie schmutzig sei“. Dies ruft ein Bild hervor, das besagt Schwarze Menschen seien dreckig. Somit reproduziert sie unkommentiert rassistische Vorstellungen. Zwar reagiert und spiegelt Kommissarin Schmitz durch diese Aussage subtil die stereotypen Vorstellungen von Kommissarin Lindholm aus der vorangegangenen Szene und spitzt diese zu, dennoch bleibt den Zuschauenden vor allem das rassistische Stereotyp „Schwarze Menschen wären per se schmutzig“ im Kopf. Dieses Stereotyp wird durch die sarkastisch wirkende Aussage der Schwarzen Kommissarin Schmitz sogar relativiert und nicht als solches Ernst genommen.

00:01:12 – Die Kommissarin Schmitz ordnet sich der Kommissarin Lindholm nicht unter, sondern handelt eigenständig. Dadurch fühlt sich Kommissarin Lindholm in ihrer mächtigen Position angegriffen.

00:01:17 – Die Kommissarin Schmitz wird als schwierige Kollegin beschrieben. Sie entspricht nicht den Erwartungen einer „normalen“ Kollegin und wird somit als abweichend beschrieben. Somit wird die Schwarze Kollegin anders-gemacht. Dies ist ein klarer Mechanismus von Rassismus.

00:01:30 – Die Kollegin Schmitz wird als unfreundliche und schnippische Person dargestellt. Dem gegenüber steht die Kommissarin Lindholm als die freundliche, aufmerksame Kollegin. Hier werden dualistische Rassismen zwischen „gut“ und „böse“ wirksam. Dieser Dualismus wird aufgebaut, obwohl Kommissarin Schmitz zuvor wiederholt mit rassistischem Verhalten ihrer Kollegin konfrontiert wurde. Einerseits durch die Herabwertung von einer Kommissarin zur vermeintlichen Chauffeurin. Chauffeur als ein Beruf (oder Rolle), der vor allem Schwarzen Männern zugeschrieben wird. Anderseits durch die herabwertende Formulierung. Kommissarin Lindholm fragt nicht auf Augenhöhe: „Können Sie mich bitte fahren?“, sondern meint zu Wissen was ihre Kollegin will („vielleicht wollen sie mich fahren“). Dies verdeutlicht wie verinnerlicht und übergeordnet dieser rassistische Dualismus wirkt, denn logisch wäre Kommissarin Lindholm in dieser Sequenz „die Böse“.

00:01:45 – Die Kommissarin Schmitz wird als impulsive und temperamentvolle Person dargestellt. Dies geschieht oft in vermeintlichen Komplimenten, die jedoch einer rassistischen Logik folgen.

00:02:26 – Die Kommissarin Schmitz ist eine aggressive und gewalttätige Frau. Sie gilt als eine Frau, die ihre eigenen Emotionen nicht unter Kontrolle hat. Kommissarin Lindholm hingegen wird als Retterin der unkontrollierten Emotionen ihrer Kollegin Schmitz dargestellt. Hier werden dualistische Rassismen zwischen „rational und kontrolliert“ und „affektiv und emotional“ geschaffen. Dies zeigt außerdem ein deutliches Machtgefälle zwischen beiden Kommissarinnen.

00:02:45 – Die Beschreibung von Kommissarin Schmitz als physisch beinhaltet Aspekte rassistischer Gedankengänge. Die Physis bzw. die körperliche Erscheinung Schwarzer Personen dient klassisch als Abgrezungsfolie Weißer. Damit wird ein Gegensatz aufgerufen von weiß=intellektuell, freigeistig, universal, „luftig“ zu schwarz= „erdig“, körperlich, wild, authentisch, naturverbunden. Dazu kommt, dass weiße Frauen oft als „unschuldig“ stilisiert werden, während Schwarzen Frauen aufgrund ihrer vermeintlichen „Physis“ als „kämpferisch“ und „übersexuell“ inszeniert werden.

Florence Kasumba als Schwarze Frau in der Rolle der Anaïs Schmitz in DER Deutschen Mainstream Fernsehreihe Tatort zu sehen schafft Sichtbarkeit und Repräsentanz Schwarzer Menschen in Deutschland. Aus der Analyse wird jedoch auch deutlich, dass in dem Drehbuch dominante rassistische Mechanismen und Erzählungen bedient werden. In dem folgenden Video thematisiert Poliana Baumgarten u.a. die strukturellen Probleme in der deutschen Medienlandschaft.

Repräsentation reicht nicht

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Lizenz: CC BY-ND Namensnennung, keine Bearbeitung; Video von: Team Diversify! für Diversify! Webseite für diversitätsbewusste Mediengestaltung

Videoaufnahme: Januar 2019

„Also, wir müssen nicht immer die Leidensgeschichte von Menschen of Color oder Menschen mit Behinderung sehen, sondern: Wieso können die nicht diejenigen sein, die vor der Kamera als Hosts stehen oder Dokumentationen zeigen“ sagt Poliana Baumgarten.

Poliana Baumgarten ist Videojournalistin und Filmemacherin. In diesem Interview spricht sie über das Fehlen von Menschen of Color und marginalisierte Menschen in Führungspositionen in der Medienlandschaft. Baumgarten sieht ein strukturelles Problem darin, dass diese Menschen oft nicht die Mittel und Netzwerke haben dort überhaupt hinzukommen.

Shownotes

Til Schweiger

Weiter zu den Kurztipps: 

Hier findest du zusammengefasst Tipps in komprimierter Form, um sensibler mit Rassismus umzugehen.